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„Dem nordwestlichen Bensheimer Stadteingang ein deutlich besseres Gesicht geben“

Marion Machalowski und Dr. Ulrike Vogt-Saggau (von links) haben sich nach dem zuletzt auch gescheiterten städtischen Projekt >Open Gardening< der Angelegenheit in Eigeninitiative gewidmet und „das hässliche Gesamtbild mit einem ebenso hässlichen Graffiti-‚Schmuck‘ am Hoffart-Gelände“ als nordwestlichen Bensheimer Stadteingang mit der Bepflanzung zweier Hochbeete und eines Teilstücks an der nordöstlichen Seite des Gesamtareals als temporären >Stadtgarten< aufgehübscht.

Eigeninitiative beschämt jahrelanges städtisches Versagen bei der Wiederverwertung des Hoffart-Geländes

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BENSHEIM. – Es war im Jahr 2018 als die Bensheimer Stadtverordneten beschlossen das schon damals „gut abgehangene städtische Filetstück“ (O-Ton des früheren FDP-Parlamentariers Holger Steinert), sprich das im Stadtbesitz befindliche Hoffart-Gelände am nordwestlichen Bensheimer Stadteingang, unmittelbar neben dem Parktheater gelegen, zu verkaufen.

In der zuständigen städtischen Bauabteilung schien dieser Beschluss allerdings nie angekommen zu sein, denn auf seine Umsetzung wartet der parlamentarische Auftrag bis dato. Weder unter dem damals zuständigen Ersten Stadtrat und Baudezernenten Helmut Sachwitz noch unter dessen Nachfolgerin, der aktuellen Ersten Stadträtin und Baudezernentin Nicole Rauber-Rung (seit Oktober 2019 im Amt) gab es Bestrebungen diesen beschlossenen Grundstücksverkauf zu realisieren.

Mehr noch: im Frühjahr 2022 interessierten sich mehrere Investoren für dieses Areal, die mit konkreten Plänen aufwarteten und zeitnah bauen wollten. Diesem Vorhaben stellte sich die Stadtspitze entgegen. Die Baudezernentin begründete ihr Veto Anfang Mai 2022 mit einer klaren Prioritätenliste, derzufolge zunächst die wichtigen Projekte Marktplatz, gefolgt vom Neumarktcenter und dem alten Krankenhaus abgearbeitet werden müssten ehe dann „in zwei Jahren das Projekt Hoffart-Gelände“ in den Fokus rücken würde.

Mitte September 2025, und damit knapp dreieinhalb Jahre später, bleibt festzuhalten: nicht eines der Anfang Mai 2022 priorisierten Projekte ist bis dato umgesetzt, ja fast ausschließlich noch nicht einmal konzeptioniert.

Das Hoffart-Gelände betreffend gab es zwischenzeitlich im Jahr 2023 den Versuch das Areal bis zur Entscheidung über dessen Weiterverwertung mit dem geförderten Projekt >Open Gardening< „aufzuhübschen“. Äüßerst dürftiges Ergebnis dieses Förderprojekts ist ein für teures Geld entstandenes fragwürdiges Graffiti-Gemälde an der Nordseite des Parktheaters und zwei seither unbepflanzte Hochbeete.

Weitere ursprüngliche Vorhaben wurden von der Stadtspitze schon bald nach deren Aufforderung zur bürgerschaftlichen Mitwirkung bei der Gestaltung des Geländes verworfen und mit mangelnder Bürgerbetiligungsbereitschaft begründet, sodass das gesamte Areal bis dato absolut nichts von seinem jahrelangen negativen „Charme“ verloren hat.

„Diesen Anblick konnten und wollten wir nicht mehr ertragen“, sagten Marion Machalowski und Dr. Ulrike Vogt-Saggau, organisierten Pflanzen, griffen zu Hacke und Schaufel und nahmen sich der beiden unbepflanzten Hochbeete wie auch einem Teilstück des Geländes im nordöstlichen Bereich an, um dem Entreé von dieser Seite zur Bensheimer Altstadt „ein halbwegs vernünftiges Gesicht zu verpassen“.

Während die Bepflanzung der beiden Hochbeete relativ problemlos verlief, gestaltete sich die Erdbepflanzung deutlich schwieriger, mussten doch nach dem Umgraben zahlreiche Steine aus dem Erdreich einzeln herausgelesen werden. Ungeachtet dieser Mühen haben die beiden Damen innerhalb weniger Tage das triste Gelände zumindest in einem Teilbereich deutlich aufgewertet.

Zwischenzeitlich fanden sich gar noch weitere helfende Hände, die mittels bereitgestellter Wasserbehälter für die Bewässerung der jungen Pflanzen sorgen und so während trockener Tage für deren Überleben sorgen, denn von städtischer Seite wurde das neu bepflanzte Areal nicht gegossen, obwohl ein zuletzt beauftragter Gärtner die auf dieses Gelände während des Winzerfestes aus dem Stadtbereich „ausgelagerten“ großen Blumenkübel mehrfach mit Wasser versorgte.

Am Samstag, 13. September, feierten Marion Machalowski und Dr. Ulrike Vogt-Saggau gemeinsam mit ihren Unterstützern mit einem Klappstuhlfrühstück ihre gelungene Arbeit, während von der Bensheimer Stadtverwaltung zwischenzeitlich eine Aufforderung zur Rückmeldung an einem der Hochbeete angebracht worden war.

„Wir freuen uns über die Initiative >Bensheimer Stadtgarten< und die liebevolle Betreuung auf dem Hoffart-Gelände. Wir möchten Sie bitten, sich bei unserem Team Klimaschutz, Umwelt & Energie zu melden, dass Sie und wir zukünftig einen Ansprechpartner für den Bensheimer Stadtgarten haben und wir uns mit Ihnen über die Nutzung abstimmen können“, heißt es in der vom Magistrat der Stadt Bensheim – Team Klimaschutz, Umwelt & Energie unterzeichneten Aufforderung. Dieser Aufforderung wollen die beiden Protagonistinnen nun zeitnah nachkommen.

Mit einem Klappstuhlfrüstück feierten am Wochenende die ehrenamtlichen Gärtnerinnen Dr. Ulrike Vogt-Saggau (3. von links) und Marion Machalowski (rechts daneben) gemeinsam mit ihren Unterstützern die gelungene Bepflanzung zweier seither leerer Hochbeete sowie eines Teilstücks des Areals an der Nordostseite des Hoffart-Geländes.

Die städtische Aufforderung an die ehrenamtlich Tätigen, die auf eigene Kosten das triste Gelände mit Pflanzen „aufgehübscht“ haben. Fotos: mk-Presse / er

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