Marieta Hiller
BERGSTRASSE / ODENWALD. – Alljährlich im Frühjahr finden im Odenwald und an der Bergstraße die Lärmfeuer statt. Der Termin liegt jeweils auf dem letzten Samstag der Winterzeit. Mit einbrechender Dunkelheit werden auf vielen Hügeln Feuer aufflammen und auf Türmen, Burgen oder Schlössern mit Scheinwerfern gestrahlt.
Diese Odenwaldweite Veranstaltung findet seit 2007 statt, um bereits in der Vorsaison ein attraktives Ausflugsziel für Gäste von nah und fern zu bieten. Zudem wird so der Winter verabschiedet und der Frühling begrüßt.
Lärmfeuer gibt es jedoch nicht erst seit 2007
In früheren Zeiten waren sie ein nützliches Instrument, um schnell über große Entfernungen vor Gefahr warnen zu können: „Lärm“ kommt vom französischen „Allarme“, was „zu den Waffen“ bedeutet. Zwei Feuerketten von West nach Ost wurden ständig unterhalten – vermutlich bereits zur Römerzeit vor 2000 Jahren.
Jeweils ein zündbereiter Feuerstoß und eine Wachmannschaft befanden sich auf den Höhen, und sobald eine Wache im Westen ein Feuer oder auch Rauch entdeckte, so war der eigene Feuerhaufen schnell entzündet und das Signal wanderte so weiter nach Osten Richtung Limes.
Die heutigen Lärmfeuer sollen natürlich nicht vor einer Gefahr oder gar einem Feind warnen – und schon gar nicht aus dem Westen in Frankreich, wo es heute zahlreiche verschwisterte Gemeinden und Städte auch im Odenwald gibt.
Das erste Lärmfeuer wurde in der Neuzeit auf der Raidelbacher Höhe im Lautertal entzündet. Ein Jahr später brannte das erste „Antwortfeuer“ auf der Schleichhöhe zwischen Kolmbach und Winterkasten, beides Ortsteile von Lindenfels.
Reichelsheim und das Weschnitztal folgte, Modautal, die Veste Otzberg, das Mümlingtal und Vielbrunn, die Höhen bei Grein über dem Neckar. Bis zur Marienhöhe bei Osterburken gingen die Feuer an, und die JVA Adelsheim machte vor einigen Jahren ein Jugendforschungsprojekt daraus.
Jeder kann mitmachen, der die Lärmfeuer-Regeln einhält
Infos zu Organisation, Genehmigungen, Rahmenprogrammen, Werbematerial, Zusammenarbeit zwischen Vereinen und Gastronomie gibt es unter E-Mail mh@dblt.de bei Marieta Hiller, ehrenamtlich zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im Lärmfeuer-Netzwerk.
Die Lärmfeuer sind genehmigungspflichtig als Brauchtumsfeuer, es ist sinnvoll, die örtliche freiwillige Feuerwehr einzubinden und – unbedingt notwendig – die eigene Gemeinde sowie die Untere Naturschutzbehörde über die genaue Lage zu informieren. Der Aufbau des Holzstoßes darf zum Schutz vor Tieren erst am Tag der Veranstaltung stattfinden, weitere Vorgaben wie Abstände zu Waldrand, Gasleitungen und anderen Einrichtungen nennt die Untere Naturschutzbehörde.
Die Reihenfolge der Feuerentzündung bleibt jedem Veranstalter selbst überlassen, ebenso Finanzierung und Unterstützung sowie Programmgestaltung.
Anfangsprobleme: Signalübermittlung mit Feuer und Rauch klappt nicht immer…
Seit den ersten Jahren muss keine feste Reihenfolge von West nach Ost für das Feuerentzünden eingehalten werden, da dies oftmals nicht funktioniert – mal ist Nebel, mal will das Feuer nicht gleich brennen – und auch die Handyverbindung ist oftmals nicht die Beste.
Das Experiment vom 27. März 2010 sollte zeigen, wie die Signalkette nach historischen Erkenntnissen an der Bergstraße gestartet und über Hügel in den Odenwald weitergegeben wird, wo sie sich in Wellen bis zum Limes fortsetzen sollte.
Aber es regnete, und Nebel hüllte viele Hügel ein. Auch der Versuch, mangels Sicht die Feuerkette per Handy weiterzugeben, schlug fehl. Letztlich zündete jeder örtliche Veranstalter sein Feuer nach Gutdünken an, sodass es trotz allem eine stimmungsvolle Veranstaltung wurde.
Geplant war die Feuerkette wie folgt: Die historischen Feuerorte Lorsch (Düne), Hohenstein (Raidelbach), Neunkirchener Höhe, Reichenberg (Reichelsheim), Lärmfeuer (Ober-Mossau), Tromm (Grasellenbach) und Otzberg setzten das Zeichen zur Weitergabe des Signales.
In Wellen kann sich die Feuerkette so im Zweiminutenabstand von West nach Ost fortsetzen, bis sie in Osterburken und Merchingen ankommt. Die historische Kette war leider nicht vollständig: es fehlten Gernsheim, Rheinschanze (gegenüber von Worms), Schönberg, Heppenheim (Starkenburg) Spessartkopf (Gras-Ellenbach), Morsberg (Reichelsheim – Ober-Kainsbach), Zeller Kopf, Hohe Straße, Würzberg (Michelstadt) und Sensbacher Höhe (Sensbachtal).
Insgesamt gab es 17 historische Feuerorte, von Heimatforscher Friedrich Höreth in den 1940er Jahren durch Kopieren der Originalunterlagen im Hessischen Landesarchiv Darmstadt vor der Zerstörung bewahrt: die Originaldokumente verbrannten in der Darmstädter Bombennacht am 11. September 1944.
Mehr dazu, zur Geschichte und zur Forschung über die Lärmfeuer finden Sie hier:
Die Veranstaltungsorte am 28. März 2026 finden Interessierte hier: https://www.odenwald-redaktion.de/index.php/odenwaldweite-laermfeuer/123-laermfeuer-details/5327-laermfeuer-28-maerz-2026-die-orte.html
Weiterführende interessante Beiträge hier:
Vom antiken Lärmfeuer bis zu 5G -Fernübertragung von Information zu zivilen und militärischen Zwecken: https://www.odenwald-redaktion.de/index.php/freizeit-kultur/odenwald-redaktion/3957-vom-antiken-laermfeuer-bis-zu-5g.html
Kein Lärmfeuer ohne Straße – https://www.odenwald-redaktion.de/index.php/odenwaldweite-laermfeuer/123-laermfeuer-details/3777-kein-laermfeuer-ohne-strasse.html (dieser Text findet sich auch im Jahrbuch „Spinnstubb 2.0“ No. 3)
Vereinbarungen für eigene Berichterstattung über einzelne Veranstaltungsorge treffen Interessierte bitte mit dem jeweiligen Ansprechpartner, der hier zu finden ist: https://www.odenwald-redaktion.de/index.php/odenwaldweite-laermfeuer/123-laermfeuer-details/5327-laermfeuer-28-maerz-2026-die-orte.html











