Im Gedenken an die Untaten der Novemberpogrome von 1938 waren sich Rabbiner, Pfarrer aus Michelstadt und Vertreter des Gymnasiums Michelstadt mit dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinden in Hessen vor dem historischen Rathaus Michelstadt einig im Wunsch nach Frieden.
Pressedienst Gymnasium Michelstadt
MICHELSTADT. – Auf dem Marktplatz vor dem Historischen Rathaus Michelstadt gedachten zahlreiche Menschen aller Altersstufen mahnend der Untaten in den Nächten der Novemberpogrome von 1938. Diskriminierung, Verfolgung und Ermordung von Juden machten auch vor Michelstadt nicht Halt. Davon zeugen heute noch die Stolpersteine im ganzen Stadtgebiet.
Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinden in Hessen, Daniel Neumann, war der Einladung der Stadt Michelstadt und des Bürgermeisters Dr. Tobias Robischon gefolgt. In seinem Redebeitrag betonte Neumann die Aktualität und Brisanz des Themas und wendete sich insbesondere an die vielen jungen Menschen, die auf den Marktplatz gekommen waren.
Roman Melamed, Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Michelstadt, leitete mit einem jüdischen Totengebet über zum Projekt „Drübergestolpert“ des Gymnasiums Michelstadt unter der Leitung von Oberstudienrat Lars Weyrauch und Studiendirektorin Melanie Koniordos.
In Gesang, Gedichten und Gedanken gaben die Schüler der Projektgruppe ihrer Betroffenheit wirkungsvollen Ausdruck. Pfarrerin Dr. Anneke Peereboom und Pfarrer Christoph Zell sprachen in einem gemeinsamen Gebet der christlichen Religionen ihre Hoffnung auf Frieden aus.
Saxophonmusik, dargeboten von Albena Vogel, rahmte die Veranstaltung vor dem Michelstädter Rathaus passend ein. Danach legten Schüler des Gymnasiums Rosen an den Stolpersteinen ab: „Zum Gedenken und zur Aufforderung, nicht zu vergessen.“
„Drübergestolpert – Wie aus Freunden Fremde wurden“
Nicht zu vergessen beschreibt auch einen Grundgedanken des Projektes „Drübergestolpert – Wie aus Freunden Fremde wurden“, das am Gymnasium Michelstadt besteht. Engagierte Schüler der Oberstufe haben einen Stolpersteinrundgang entwickelt, der mithilfe einer digitalen Anwendung, der Locandy-App, eine Route entlang der Stolpersteine bereitstellt.
Durch Hörbeiträge, Fotos und Videos entstehen zu den auf den Stolpersteinen genannten Namen echte Lebensgeschichten, die die Schicksale der Michelstädter Juden allen Interessierten eindringlich näherbringen. Das Projekt der angehenden Abiturienten ermöglicht es, ein Stück Michelstädter Geschichte anschaulich begreifbar zu machen.

Zahlreiche Menschen waren gekommen um ihrer Trauer um die Opfer der Novemberpogrome von 1938 in Michelstadt Ausdruck zu verleihen. Fotos: Pressedienst Gymnasium Michelstadt











