Michel Lang liest.
Michel Lang überzeugte mit seinem „Lyrischen Skalpell“ und der musikalischen Untermalung mit seiner Original-Hofbauer-Drehorgel
HS
OLFEN. – Mit einer Lesung aus seinem Buch „Das lyrische Skalpell“ und der musikalischen Untermalung mit seiner Original-Hofbauer-Drehorgel bot der Autor Michel Lang den Zuhörern im vollbesetzten Gastraum des Gasthauses „Zum Spälterwald“ einen Blick in den Abgrund der Gesellschaft.
Die wechselnde Kopfbedeckung vom Zylinder über die Uniformkappe, die Bergbauernmütze und den Bischofshut setzten jeweils die Überschriften über die bissigen Blicke auf die Scheinheiligen, Heuchler und Pharisäer. Die geschärfte Klinge des satirischen Skalpells sparte keinen in seinen Gedichten aus unter den Duckmäusern, Süßholzrasplern, Despoten und Tyrannen.
Mit geschärfter Klinge, Sprachspiele und Wortwitz reichten die Anekdoten des Autors vom Oktoberfest, garniert mit Weißwurst und Brenzen, über Gereimtes zur ärztlichen Gesundheitsdiagnose, über Geschichten aus einer lokalen Konditorei bis unter dem Wirbel seiner Schnarrtrommel musikalisch untermalte kabarettistische Lesung über Wehrpflicht und Militär, wie die Rechtfertigung eines Vaters an den Verteidigungsminister mit der Bemerkung „Mein Sohn kommt heute nicht.“ Nicht ausgespart wurden, mit dem Bischofshut auf dem Kopf, auch die Gründe, warum viele Mitglieder heutzutage die Kirche verlassen.
Michel Lang legte den sprachlichen Finger in Wunden, ohne Salz in diese zu streuen. Mit bissiger Satire, hintersinnigem Witz und bisweilen pechschwarzem Humor öffnet er seinen Hörern die Augen und ließ sie in die Abgründe der Gesellschaft blicken. Dabei philosophierte Lang auch über die Betroffenheit, wie die Zeit vergeht und über einen Tropfen Zeit, die sich relativ erklärt.
Reichlich Beifall erhielt der in Mainz und Frankfurt Germanistik studierte Literat, der auch als Gymnasiallehrer in Deutsch und Politik, im Rettungsdienst des Roten Kreuzes im Odenwaldkreis tätig war und dessen Pressereferent er noch immer ist. Als freier Journalist schreibt er vorwiegend kulturelle Artikel für Zeitungen. Mit einem essbaren und deftigen Honorar aus der Hausmetzgerei dankte Organisator Horst Schnur dem Referenten in seiner regionalen Verbundenheit.
Eingangs hatte Schnur Anmerkungen zur bevorstehenden Walpurgisnacht und die Geschichte des Tages der Arbeit vorangestellt und zum nächsten Dorftreff, ausnahmsweise am Mittwoch (!) nach Pfingsten, am 27. Mai ab 14:30 Uhr wie immer ins Gasthaus „Zum Spälterwald“ eingeladen. Der erfahrene Wissenschaftler Prof. Wörner, ehemals Präsident der Europäischen Weltraumorganisation ESA wird über das technische Streben zum Mond berichten.

Michel Lang mit Bischofshut bei seinem Vortrag. Fotos: Traudel Schnur











