Stehen Seite an Seite: CDU-Kreisvorsitzender und seit wenigen Tagen zweiter hauptamtlicher Kreisbeigeordneter im Odenwaldkreis, Kevin Schmauß (links), und Harald Buschmann, CDU-Fraktionsvorsitzender im Odenwälder Kreistag, der als unabhängiger Landratskandidat im April 2027 zum neuen Kreischef gewählt werden möchte und von der CDU Odenwaldkreis dabei unterstützt wird. Foto: er
Entscheidung pro unabhängigem Landratskandidaten Harald Buschmann war ein längerer Prozess in der Parteispitze, nachdem sich Kevin Schmauß dem Wählerwillen und „sehr vielen Themen und großen Aufgaben verpflichtet“ sieht, und Landtagsabgeordnete Sandra Funken ihre Arbeit in Wiesbaden fortsetzen möchte statt Odenwälder Landrätin zu werden
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ODENWALDKREIS / ERBACH. – Mit einem gleich doppelten Paukenschlag konterkarierte die Odenwälder CDU in der vergangenen Woche mit ihrer Personalentscheidung zur Landratswahl Anfang April 2027 die allgemeinen Erwartungen.
Zunächst wirft nicht Kreisvorsitzender Kevin Schmauß, der erst eine Woche zuvor zum zweiten hauptamtlichen Kreisbeigeordneten ernannt, und deshalb gemeinhin als CDU-Landratskandidat erwartet worden war, seinen Hut in den Ring.
Und auch Landtagsabgeordnete Sandra Funken, die eventuell als Alternative zu Schmauß ins Auge gefasst worden war, will lieber ihre Arbeit in Wiesbaden fortsetzen statt Landrätin im Odenwaldkreis zu werden. Stattdessen einigten sich die Odenwälder Christdemokraten einstimmig auf die Unterstützung ihres aktuellen Fraktionsvorsitzenden im Kreistag, Harald Buschmann.
Damit aber keineswegs genüg der Überraschung, denn Buschmann tritt nicht etwa als CDU-Kandidat an, will vielmehr als von der CDU unterstützter, parteiunabhängiger Kandidat seine Chance im Wettbewerb um den Landratsstuhl suchen (siehe FAKT-Bericht unter: https://fakt-in.de/2026/09/01/paukenschlag-harald-buschmann-cdu-tritt-als-unabhaengiger-landratskandidat-an/).
Mindestens 102 Unterschriften sind zur unabhängigen Kandidatur erforderlich
Dazu bedarf es – weil nicht parteigetragen – der Unterstützung von mindestens der doppelten Anzahl der 51 Kreistagsmandate, konkret 102 Unterschriften von Wahlberechtigten aus dem Odenwaldkreis. Diese will Harald Buschmann in den nächsten Wochen mit Besuchen in allen zwölf Odenwald-Kommunen erbitten und ist zuversichtlich, diese auch zeitnah zu bekommen.
Dies insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass er allen politischen Gruppierungen ein Angebot machen, und „allen Bürgern ein guter Landrat sein“ wolle – über alle Parteigrenzen hinaus.
Schmauß fühlt sich „dem Wählerauftrag und sehr vielen Themen und großen Aufgaben verpflichtet“
Kevin Schmauß sieht sich als Kreisvorsitzender der Odenwälder Christdemokraten wie auch als gerade neuinstallierter hauptamtlicher Kreisbeibeigeordneter dem Wählerauftrag und damit verbundenen „sehr vielen Themen und großen Aufgaben verpflichtet“.
Wirtschaftsthemen, mit denen zwangsläufig auch die Thematik Straßen- und Schienenanbindung im Odenwald verbunden ist, sowie Tourismus in der Region als seine Aufgabenbereiche seien zu wichtig, und damit nicht mit den umfangreichen Verwaltungsaufgaben eines Landrats zu kombinieren.
Das hatten SPD und CDU als aktuelle Regierungskoalitionäre so fixiert und entsprechend auf den Weg gebracht. Deshalb habe er für sich eine Landratskandidatur ausgeschlossen, ohne dass das irgendwie mit dem Partner SPD vereinbart gewesen wäre.
„Nicht zweckmäßig zwei Positionen in einer Person zusammenzuführen“
„Weil mein Fokus auf umfangreichen Wirtschaftsthemen für den Odenwaldkreis liegt, die es zu bewältigen gilt, werde ich nicht als Landrat kandidieren“, positionierte sich Schmauß recht eindeutig zu seinen aktuellen Aufgaben und ergänzte, es sei nicht zweckmäßig „zwei Positionen in einer Person zusammenzuführen, denn dann würde uns ja wieder eine Kraft fehlen“.
Auch die Landtagsabgeordnete Sandra Funken habe als Kandidatin nicht zur Verfügung gestanden, weil sie in Wiesbaden „gut angekommen“ sei, „auch wenn ihr Herz dem Odenwald gehört“. In der Landeshauptstadt könne sie sich freilich ebenso für Odenwälder Belange einsetzen.
Folglich habe man über Wochen und Monate in einem guten Prozess abgewogen, wer für die Odenwälder CDU zur Landratswahl kandidieren solle. In diesem Abwägungsprozess sei Harald Buschmann mit einem Angebot auf die CDU-Kreisspitze zugekommen, das sorgsam abgewogen worden sei und letztlich in einem einstimmigen Vorstandsbeschluss mündete.
CDU will „unabhängigen Kandidaten unterstützen“
Dem zufolge wird die Odenwälder CDU keinen „eigenen“ Kandidaten in den Wahlkampf schicken, sondern vielmehr ihren aktuellen Fraktionsvorsitzenden im Kreistag als „unabhängigen Kandidaten unterstützen.“
Als „einen besonderen Moment“ mit emotionalem Einfluss bezeichnete Harald Buschmann die Bekanntgabe seiner Landratskandidatur an dem Ort „wo ich vor 30 Jahren in Erbach mal angefangen habe“. Er habe als evangelischer Pfarrer damals nicht ansatzweise daran gedacht, „dass ich in der Politik landen würde“.
Seine erste Wahlkampfveranstaltung als Bürgermeisterkandidat für Erbach im Sternensaal des >Erbacher Brauhauses< sei nach drei Jahren im Pfarramt eine aufregende Geschichte gewesen, blickt Buschmann zurück.
Unabhängiger Kandidat, unterstützt von CDU, ÜWG und GRÜNEN, zum Erbacher Bürgermeister gewählt
Das folgende Procedere ist bekannt: Im Jahr 2000 wurde er als unabhängiger Kandidat, unterstützt von CDU, ÜWG und GRÜNEN, zum Erbacher Bürgermeister gewählt, trat 2005 in die CDU ein und erhielt das angestrebte Kreistags-Mandat. 2006 und 2012 wurde er als Bürgermeister der Kreisstadt Erbach jeweils wiedergewählt.
2009 übernahm er den Fraktionsvorsitz im Odenwälder Kreistag und war bis 2020 Kreisvorsitzender der CDU im Odenwaldkreis, ehe er diese Position an Kevin Schmauß abtrat. Zwischenzeitlich hatte er noch als Landrat für die Union im Nachbarkreis Darmstadt-Dieburg kandidiert, dabei jedoch mit einem beachtlichen Stimmenanteil von 45,6 Prozent gegen den derzeit noch aktiven Klaus-Peter Schellhaas (SPD, damals 54,4%) unterlegen.
„Bürgermeisterwahl 2018 in Erbach war eine Zäsur für mich“
Eine Zäsur sei für ihn die verlorene Bürgermeisterwahl 2018 in Erbach gewesen, als er dem heutigen Amtsinhaber Dr. Peter Traub unterlag, sagt Buschmann. Dieser Einschnitt habe Gedanken für einen Neuanfang erzeugt. Heute sei er aber froh das Angebot der Landeskirche für eine Seelsorge-Tätigkeit in Porto ausgeschlagen zu haben.
Stattdessen habe er sich der Herausforderung neu gestellt und ein Angebot der Handwerkskammer Rhein-Main als Geschäftsstellenleiter im Odenwald angenommen. „Das habe ich bis dato in keiner Minute bereut, denn es war eine kluge Entscheidung“, blickt Harald Buschmann auf die vergangenen acht Jahre zurück.
„Es war nicht meine Lebensplanung nochmal für ein politisches Amt zu kandidieren“, sagt der 63-jährige Landratskandidat, der verdeutlicht, dass er in den zurückliegenden Jahren einen Prozess eingeschlagen habe mit dem Ziel „junge Leute nach vorne zu bringen“.
Er sei allerdings „Odenwälder aus Überzeugung. Das ist meine Heimat, hier fühle ich mich wohl und werde hier auch meinen Lebensabend verbringen.“ Auch habe er „im Handwerk meine Heimat gefunden“ und sei dankbar für das Vertrauen, das man ihm entgegengebracht habe. „Das ist eine Riesen-Erfahrung, die ich hier machen durfte.“
Gesellschaftliche Prozesse gegenüber Parteipolitik im Vordergrund
Er sehe es, vor dem Hintergrund seines Lebensweges, insbesondere auch seiner Erfahrung mit und im Odenwälder Handwerk, „bei dem die Menschen an erster Stelle stehen“, und mit denen er gut klarkomme, wie auch der Tatsache, dass er die Landschaft neu entdeckt habe, als „Privileg, hier leben zu dürfen“.
Er sei „mental erholt“ und wolle der Odenwälder Bevölkerung „etwas zurückgeben“, was er hier erleben durfte und darf, auch wenn sich ein entspanntes Leben nicht mit Politik in Einklang bringen lasse. „Ich habe gelernt, damit umzugehen“, denn die Bodenständigkeit des Handwerks habe ihm in den zurückliegenden acht Jahren „eine andere Welt eröffnet, das hat mich geerdet“, und er sei „freier und entspannter geworden“, sagte Buschmann.
Im Kreistag habe er sich „nicht mehr auf jedes Scharmützel gestürzt, habe vielmehr den Ausgleich gesucht, und das „nicht nur mit Worten, sondern auch in die Tat umgesetzt“, verdeutlichte Buschmann seine Intention als unabhängiger Landratskandidat anzutreten.
„Mit einer gewissen Freiheit und dem Ziel verschiedene – auch kontroverse – Positionen zusammenzuführen, bei denen durchaus auch streitig diskutiert werden solle, gehe er diese Kandidatur an. Dabei stünden gesellschaftliche Prozesse gegenüber Parteipolitik im Vordergrund.
Im Falle eines Wahlsieges strebt Harald Buschmann zwei Amtszeiten an
Im Falle eines Wahlsieges stehe er unter dem Vorbehalt einer stabilen Gesundheit für zwei Wahlzeiten zur Verfügung. „Und wenn ich es nicht schaffen sollte, geht die Welt auch nicht unter“ verdeutlicht Harald Buschmann abschließend seine entspannte Haltung.
Zunächst aber wird er in der nächsten Sitzung des Odenwälder Kreistags seinen Fraktionsvorsitz in jüngere Hände abtreten und selbst in den Kreisausschuss wechseln, nachdem für die Christdemokraten durch den Wechsel von Kevin Schmauß zum hauptamtlichen Kreisausschussmitglied dessen seitherige ehrenamtliche Position in diesem Gremium frei geworden ist.









