Katja Knoch
HAMBACH / BERLIN. – Zum fünften Mal in Folge fand an Pfingsten das Hambacher Fest 2.0 statt, zum dritten Mal organisiert von der Initiative FreiEinig. Aus Sicht der Veranstalter sind zentrale Fragen der Corona-Zeit bis heute ungeklärt: Eine Rehabilitierung vieler zu Unrecht beschuldigter Ärzte und Bürger sei ausgeblieben.
Zudem würden immer mehr Menschen wegen ihrer öffentlichen Äußerungen strafrechtlich verfolgt. Kritische Journalisten sähen sich mit Einreiseverboten, Kontensperrungen oder anderen Sanktionen konfrontiert. Zugleich werde in Politik und Medien weiterhin Krieg und Konfrontation vorangetrieben.
Für die Organisatoren ist dies Anlass genug, auch weiterhin für Demokratie, Meinungsfreiheit und eine friedliche Konfliktlösung auf die Straße zu gehen. Denn Deutschland müsse friedenstüchtig werden, mit transparenter und ehrlicher Politik und einer neutralen, multiperspektivischen Berichterstattung.
Am Sonntag versammelten sich beim Aufzug zum Hambacher Schloss insgesamt rund 320 Teilnehmer – der harte Kern, der auch nach 6 Jahren und hunderten Kundgebungen mit Ausdauer weiter auf die Straße geht.
Die Auftaktkundgebung begann um 11 Uhr auf dem Marktplatz in Neustadt, den das Brückenteam der A45 aus Loringhoven mit einem beeinsdruckenden Fahnenmeer von Deutschland- und Länderflaggen geschmückt hatte. Alle Redner der diesjährigen Veranstaltung kamen aus dem Hambacher Bund.

Die Anmelderin der Versammlung, Tanja Bergmann, erklärte, dass es den Organisatoren um Frieden und eine Demokratie der Menschlichkeit gehe, nicht um die Demokratie auf dem Papier, die eine Demokratie der Herrschenden sei – nicht erst seit Corona, sondern schon lange davor.
Ein Sprecher der Initiative Baden-Württemberg steht auf kündigte die Großdemonstration „Eine Million“ am 8. Juni in Berlin an, die von Mittelstandsinititiven organisiert wurde und einen Rücktritt der Regierung fordert. Kevin Singh von der Initiative Team Freiheit Trier berichtete von den zahlreichen Demonstrationen, die sie in den vergangenen Jahren initiiert hätten, und appellierte an alle, gemeinsam für den Frieden aufzustehen.
Der Unternehmer Thomas Espey von Herborn steht auf machte auf die ernste wirtschaftliche Lage aufmerksam und rief dazu auf, sich dem Freiheitslauf anzuschließen, der seit dem 26. Mai auf dem Weg nach Berlin ist, um der aktuellen Politik die dunkelrote Karte zu zeigen.
Katja Knoch vom Friedensbündnis Bergstraße betonte, dass jeder in der Bewegung ein Puzzleteil im Mosaik der Wahrheit sei und Ehrlichkeit eine Voraussetzung für Frieden. Es gehe um beharrliche Aufklärung, respektvolles Zuhören und darum, nicht zu schweigen, wenn Unrecht sichtbar wird.
Kurz vor Beginn des Aufzugs sangen die Teilnehmer gemeinsam zwei Lieder, die die Werte des Hambacher Bundes – Einigkeit, Freiheit und Gerechtigkeit – musikalisch zum Ausdruck brachten: „We Shall Overcome“ und das FreiEinig-Lied „Vereinigt im Frieden – wird man uns nie besiegen“ klang über den Marktplatz von Neustadt. Mit dabei waren in diesem Jahr elf Trommler und vier Musiker der Streetband.

Die Zahl der Trommler inklusive Musiker war bereits für die Versammlung 2024 von der Stadt Neustadt auf insgesamt 15 Personen begrenzt worden. Diese aus Sicht der Veranstalter undemokratische Einschränkung wurde trotz einer Klage gerichtlich bestätigt. Die damalige Versammlungsleiterin bereitet derzeit eine Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht vor.
Die Versammlung verlief ausnahmslos friedlich. Zu einem Zwischenfall kam es jedoch kurz hinter dem Marktplatz, als ein Anwohner ein gefülltes Schraubglas in Richtung des Aufzugs warf. Das Glas verfehlte die Teilnehmer glücklicherweise und zerschellte auf dem Boden. Die Veranstalter erstatteten Anzeige.
Die Versammlungsleiterin kritisierte in diesem Zusammenhang die zunehmende Stigmatisierung friedlicher Bürger und Initiativen, die direkt oder indirekt als rechtsextrem dargestellt werden, wie etwa in einem kurz vor der Veranstaltung erschienenen Artikel über FreiEinig in der Rheinpfalz.
Dadurch werde ein Klima der Ausgrenzung geschaffen, das aggressive Reaktionen begünstige. Der weitere Verlauf bis zum Hambacher Schloss blieb in diesem Jahr störungsfrei – ohne eine Blockade durch die Antifa. Nur vereinzelt begegneten den Teilnehmern entlang der Strecke Demonstranten von „Neustadt bleibt bunt“.
Bunt war auch der Zug selbst: Menschen jeden Alters, in Weiß oder farbenfroher Kleidung, mit Friedens- und Deutschlandfahnen sowie Botschaften wie z.B. „Einigkeit und Recht und Freiheit“, „Wir müssen friedenstüchtig werden“ oder „Weg mit den Altparteien“.

Trotz der großen Hitze erreichten alle Teilnehmer das Hambacher Schloss, wo sie sich zu den Liedern von Perin Dinekli im Schatten der Bäume eine wohlverdiente Pause gönnten.
Chris Barth, Herausgeber der Bürgerzeitung KLARTEXT Rhein-Main, knüpfte in seiner Rede an die Freiheitsideale des Hambacher Festes von 1832 an und rief zu einer Erneuerung des Hambacher Bundes auf. Eine lebendige Demokratie, so seine Botschaft, entstehe durch freie Meinungsäußerung ohne Denkverbote durch soziale Sanktionen, durch aktive Teilhabe und das Engagement mündiger Bürger in Gemeinschaften.
Kal „Superman“ von der Initiative Helfa thematisierte die eingeschränkte Meinungsfreiheit für regierungskritische Journalisten, die von der EU auf Sanktionslisten gesetzt wurden. Zugleich rief er die Menschen dazu auf, in Liebe und friedlich für Freiheit, Wahrheit und demokratische Grundrechte aufzustehen.
Karl-Friedrich Rothe betonte in seiner Abschlussrede, dass die Menschen, die sich vor vier Jahren in Hambach zusammenfanden, weder Angst hätten noch sich wegregieren oder zum Schweigen bringen ließen: „Wir werden weiter für unsere Kinder und Enkel die Freiheit verteidigen.“ Er rief zu einem gesunden Patriotismus sowie zur Unterstützung des Freiheitslaufs auf und stimmte zum Abschluss gemeinsam mit den Teilnehmern das Lied „Die Gedanken sind frei“ an.
Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Perin Dinekli, Ärztin für Aufklärung und Musikerin. Sie präsentierte sowohl am Sonntag auf dem Hambacher Schloss als auch am Montag beim Fest der Initiativen ihre Freiheits- und Friedenslieder, darunter das Lied, das den Geist der Bewegung treffend auf den Punkt bringt: „Freundlich ohne Waffen und ohne Gewalt“.

Für weitere musikalische Akzente sorgten die Streetband mit Liedern der Freiheits- und Friedensbewegung sowie die Band Egolysium, die zum Auftakt am Sonntag unter anderem Protestsongs von Bob Marley spielte.
Am Pfingstmontag stand das Demokratiefest der Initiativen ganz im Zeichen von Vernetzung, Austausch und Aufklärung. Auf dem Marktplatz und den angrenzenden Plätzen präsentierten sich zahlreiche Friedens-, Demokratie- und Aufklärungsinitiativen, neue politische Bewegungen sowie Fotogalerien aus Deutschland und Frankreich.
Mit dabei waren unter anderem die Friedensinitiativen Stopp Ramstein, Zusammen für Frieden Jetzt, 1 Million Stimmen für den Frieden und das Friedensbündnis Bergstraße. Um 13 Uhr fand wie bereits im Vorjahr der einstündige Schweige-marsch für den Frieden statt, der mit einer großen Menschenkette rund um den Marktplatz und einer gemeinsamen Friedens-Gedenkminute seinen Abschluss fand.
Dabei waren auch die Parteien dieBasis, Wir2020 und die Dynamische Innovationspartei sowie die Demokratieinitiativen Freunde der Demokratie und Unsere Verfassung e.V.. Darüber hinaus stellten Aufklärungsprojekte wie Axion Resist, der Freidenkerverband e.V., die Bürgerzeitung KLARTEXT Rhein-Main, Leuchtturm ARD, Studenten stehen auf und weitere Initiativen ihre Arbeit vor. Beeindruckende Fotos zeigte die Galerie „Nie wieder Krieg“ der Freien Heidelberger.
Am Dienstag startete schließlich der große FreiheitsLauf vom Hambacher Schloss nach Berlin. Mehr als 60 Teilnehmer machten sich mit Bannern, Fahnen und Plakaten auf den Weg, um auf die Anliegen aufmerksam zu machen, die bereits beim Hambacher Fest im Mittelpunkt standen.

Fotos: Pressedienst FreiEinig
Am 25. Juni endete der Lauf vor dem Reichstag in Berlin, wo die Teilnehmer ihre Botschaften für Demokratie, Grundrechte und Frieden mit einer Abschlusskundgebung nochmals öffentlich sichtbar machten.
Über die teilnehmenden Initiativen und die verschiedenen Aktionen können sich Interessierte auf der Webseite https://freieinig.de/ oder im öffentlichen Telegramkanal „Hambach offiziell“ informieren. Details zum Freiheitslauf finden sich unter: https://freiheitslauf.de
Über „Frei Einig“
„Frei Einig“ ist eine überparteiliche Bürgerinitiative, die sich für eine basisdemokratische Weiterentwicklung Deutschlands auf Grundlage des Grundgesetzes sowie für den Schutz von Freiheit, Wahrheit, Frieden und Rechtsstaatlichkeit einsetzt. „Unsere Aktionen sollen einen konstruktiven Impuls setzen – als bewusster Gegenakzent zu einer Politik, die viele Menschen als von Angst, Kontrolle und Destruktivität geprägt erleben.“
Im Rahmen des „Hambacher Bundes“ haben sich zahlreiche Bürger und Initiativen zusammengeschlossen, um diese Ziele gemeinsam zu verfolgen. Das Hambacher Schloss dient dabei als historischer Symbolort für demokratische Verantwortung und gesellschaftliches Engagement der Bürger – nicht als Objekt politischer Vereinnahmung, sondern als Inspiration, unsere Zukunft aktiv, friedlich und menschlich mitzugestalten. https://freieinig.de/










