Veranstaltungen auf dem Michelstädter Marktplatz, wie hier zum Bienenmarkt 2026, soll es – wie auch sonstigen sommerlichen Alltagsbetrieb – in den nächsten vier Wochen wegen der Erneuerung einer Gasleitung nicht geben. Archivfoto: er
Nach Doppel-Terminvergabe der Stadt Michelstadt für den Marktplatz vor dem historischen Rathaus erfolgt trotz Protests der anliegenden Gewerbetreibenden keine weitere Terminverschiebung zur Erneuerung einer Gasleitung
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MICHELSTADT. – Die lapidare Pressemeldung der Stadtverwaltung Michelstadt klingt zunächst unverdächtig, doch dahinter verbirgt sich gewaltiger Zündstoff: „Ab Montag, 29. Juni, werden auf dem Michelstädter Marktplatz Arbeiten an der Gasversorgungsleitung durchgeführt. Im Rahmen der Maßnahme wird ein zentrales T-Stück der Gas-Hauptleitung erneuert.
Während der Bauzeit kann es im Bereich des Marktplatzes zu Einschränkungen kommen. Verkehrsteilnehmende sowie Anwohner werden gebeten, die ausgeschilderten Wegeführungen und Hinweise vor Ort zu beachten.
Die Arbeiten werden im Auftrag des Versorgungsunternehmens durchgeführt und sollen bis Ende Juli abgeschlossen sein. Die Stadt Michelstadt bittet alle Betroffenen um Beachtung und bedankt sich für das Verständnis während der Bauarbeiten“, lautete die Presseinformation, die in den vergangenen Tagen in die Redaktionsstuben flatterte.
Die Angelegenheit hat allerdings eine Vorgeschichte: Bereits am 16. Juni haben Michelstädter Einzelhändler und gastronomische Betreiber rund um das historische Rathaus ihre Verwunderung darüber ausgedrückt, dass sie von der etwa vierwöchigen Baustelle durch die ausführende Baufirma erfahren mussten.
Mehr noch: der für das zuständige >E-Netz< – eine Tochter des Darmstädter Energieversorgers >Entega< – bauausführende Subunternehmer hatte bereits für den vergangenen Montag, 22. Juni, eine Genehmigung von der Stadt Michelstadt zum Baustart auf dem Marktplatz.
Parallel dazu hatten die vom eigenen städtischen Kulturamt veranstalteten FeierabendVibes, eine beliebte Afterwork-Reihe, bei der sich von April bis September Einheimische und Gäste jeden letzten Donnerstag im Monat auf dem Marktplatz treffen, um bei Live-Musik, kühlen Drinks und Streetfood den Tag in entspannter Atmosphäre ausklingen zu lassen, für Donnerstag, 25. Juni, ebenfalls das städtische Go.
Beides aber schließt sich zeitgleich selbstverständlich aus, sodass der verantwortliche E-Netz-Mitarbeiter Leon Strauß, mangels klarer städtischer Kommunikation und Doppelfreigabe des Marktplatzes den Baustart schon in letzter Minute vom 22. auf den 29. Juni verschieben musste, wie er auf FAKT-Anfrage erklärte.
Insofern war der Brief an den Magistrat der Stadt Michelstadt, zu Händen von Bürgermeisters Dr. Tobias Robischon, in welchem Marktplatz-Anlieger unter der Federführung des Betriebsleiters Philipp Becker vom Apfelweinhaus >Schwarzer Adler< einen „Antrag auf Überprüfung und Verschiebung der geplanten Baumaßnahme am Marktplatz wegen Unverhältnismäßigkeit“ stellten, wenig aussichtsreich.
Denn nach dem bereits erfolgten städtischen Vauxpas der doppelten Freigabe des Marktplatzes war eine weitere von der Stadt initiierte Verschiebung des Baustarts kaum zu erwarten.
Auf die in dem Schreiben der Anlieger vorgetragenen Argumente: „Nach unserem Kenntnisstand handelt es sich um die endgültige strukturelle Sanierung einer Gasleitung. Das ursprüngliche Leck wurde bereits beseitigt, sodass nach unserem Verständnis derzeit keine akute Gefahrenlage mehr besteht. Vor diesem Hintergrund erscheint die Wahl des Ausführungszeitpunktes weder zwingend noch verhältnismäßig“, ging der Rathauschef in seinem Antwortschreiben erst gar nicht im Detail ein.
Dabei sind die Argumente der Anlieger keineswegs realitätsfern: „Unser Betrieb befindet sich unmittelbar am Marktplatz“, heißt es da weiter. „Die Monate Juni bis September bilden den wirtschaftlich bedeutendsten Zeitraum unseres Geschäftsjahres. Ein erheblicher Teil unseres Jahresumsatzes wird in dieser Zeit durch die Außengastronomie erzielt.
Durch die angekündigte Baustelle entstehen unter anderem:
- Wegfall eines erheblichen Teils unserer genehmigten Außenbestuhlung ;
- Erhebliche Lärm- und Staubbelastungen;
- Beeinträchtigung des historischen Marktplatzes;
- Rückgang der Besucherfrequenz;
- Stornierungen und ausbleibende Reservierungen;
- Erhebliche Umsatzeinbußen im wichtigsten Saisonmonat.
Diese Belastungen gehen deutlich über das hinaus, was Gewerbetreibende üblicherweise hinnehmen müssen. Da keine akute Gefährdungslage mehr besteht, regen wir an, die Maßnahme auf einen Zeitraum ab Ende September 2026, vorzugsweise nach den letzten FeierabendVibes am 24. 09. 2026, zu verschieben.
Sollte an der Durchführung festgehalten werden, behalten wir uns ausdrücklich vor, sämtliche wirtschaftlichen Schäden zu dokumentieren, Ansprüche auf Schadenersatz und Erstattung bzw. Minderung der Sondernutzungsgebühren prüfen zu lassen sowie verwaltungsrechtliche Schritte einzuleiten.“
Dieses Schreiben wurde unterstützt von weiteren gastronomischen Betrieben und Handel: >Haushaltswaren Schmucker<, >Es‘ Portal<, >vom Fass<, >Caffe des Amis< und weitere Betriebe haben sich separat mit gleichem Anliegen an die Stadtverwaltung gewandt.
Die Bitte um eine kurzfristige schriftliche Stellungnahme und eine erneute Ermessensprüfung unter Berücksichtigung der erheblichen Auswirkungen auf die betroffenen ansässigen Betriebe beantwortete Bürgermeister Robischon mit Schreiben vom 19. Juni.
Darin heißt es: „In der Zeit vom 29. Juni bis 29. Juli 2026 werden auf dem Michelstädter Marktplatz Arbeiten an der Gasversorgungsleitung durchgeführt. Im Rahmen der Maßnahme wird ein zentrales T-Stück der Gas-Hauptleitung im Auftrag des Versorgungsunternehmens erneuert.
Laut Stellungnahme des Versorgungsunternehmens ist die Durchführung der Maßnahme aus Gründen der Sicherheit erforderlich und kann nicht aufgeschoben werden. In den vergangenen Monaten wurden an mehreren Stellen in der Altstadt Schäden an altersbedingt verschlissenen Gasleitungen festgestellt, die kurzfristige Reparaturen notwendig machten.
Bei der Untersuchung des nun betroffenen Leitungsabschnitts wurde ebenfalls dringender Handlungsbedarf erkannt. Im Zuge regelmäßiger Überprüfungen des Leitungsnetzes wurden an diesem Leitungsabschnitt Auffälligkeiten festgestellt, die eine Instandsetzung erforderlich machen.
Die bislang ergriffenen Sicherungs- und Kontrollmaßnahmen gewährleisten zwar einen sicheren Betrieb, können jedoch die eigentliche Ursache nicht dauerhaft beheben. Da es sich um einen wichtigen Knotenpunkt im Gasnetz handelt, muss die Erneuerung zeitnah erfolgen, um die sichere Gasversorgung langfristig zu gewährleisten.
Innerhalb der Bauzeit ist zudem keine Veranstaltung auf dem Marktplatz geplant. Eine Verschiebung der Arbeiten in die Wintermonate kommt nicht in Betracht, da die Leitung während der Heizperiode uneingeschränkt zur Verfügung stehen muss, um die Versorgung aller angeschlossenen Haushalte und Betriebe sicherzustellen.
Uns ist bewusst, dass die Baugrube und die notwendigen Absperrungen insbesondere für die Gewerbetreibenden mit Einschränkungen verbunden ist. Wir bedauern die Beeinträchtigungen, gleichzeitig bitten wir um Verständnis dafür, dass die Arbeiten im Interesse der Sicherheit und einer verlässlichen Energieversorgung dringlich und unvermeidbar sind. Alle Beteiligten sind bemüht, die Auswirkungen der Baustelle so gering wie möglich zu halten und die Arbeiten zügig abzuschließen.
Bei der Baustelleneinrichtung wird die Stadt mit den von der Baustelle beeinträchtigten Gastronomiebetrieben die tatsächliche Situation vor Ort begutachten und gemeinsam Alternativstandorte für die Tische auswählen, die aufgrund der Baustelle nicht am jetzigen Standort verbleiben können.“










