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Fehlentwicklungen im Schulsystem bleiben unbeantwortet: Personalräte schlagen Alarm

Pressedienst Freie Wähler Bergstrasse

BERGSTRASSE / RHEIN-NECKAR. – In den vergangenen Monaten haben Berichte aus der Metropolregion Rhein-Neckar erneut gravierende Defizite im Schulsystem offengelegt.

Zunächst sorgte die Gräfenauschule in Ludwigshafen für Schlagzeilen, weil ein Großteil der Erstklässler die Versetzung in die zweite Klasse nicht erreichte. Kurz darauf dominierten die alarmierenden Zustände an der Karolina-Burger-Realschule die regionale Berichterstattung:

Bedrohungen, Erpressungen und über 120 Polizeieinsätze innerhalb von drei Jahren machten die massiven Probleme unübersehbar. Lehrkräfte und Gewerkschaften hatten zuvor mehrfach auf Missstände hingewiesen – ohne Resonanz der Schulbehörden. Erst die mediale Aufmerksamkeit brachte Bewegung in die Situation, inzwischen werden dort intensiv Lösungsansätze erarbeitet.

Nun schlagen auch die Personalräte des Schulamtsbezirks Bergstraße-Odenwald Alarm. Seit Jahren richteten sie Resolutionen und Vorschläge an das Wiesbadener Kultusministerium – bislang ohne jede Antwort. „Wer die Anregungen seiner Mitarbeiter ignoriert und ihre Sorgen nicht ernst nimmt, darf sich nicht wundern, wenn Fachkräfte innerlich kündigen oder den Beruf verlassen“, erklärt Walter Öhlenschläger, Vorsitzender und Fraktionschef der Freien Wähler Gemeinschaft im Kreistag Bergstraße.

Während das Kultusministerium betone, „bestmögliche Bildung“ durch „so viele Lehrkräfte wie noch nie“ sicherzustellen, verschweige man, dass die Schülerzahlen deutlich stärker gestiegen seien, kritisieren die Personalräte weiter. Immer mehr Lehrkräfte seien unzureichend qualifiziert oder in prekären Arbeitsverhältnissen beschäftigt.

Rekordhohe Krankenstände zeigten die massiv gestiegene Belastung. Weniger als die Hälfte der Lehramtsstudierenden erreiche das Erste Staatsexamen – und viele wechselten danach in andere Berufe.

Gleichzeitig nähmen die Herausforderungen durch Inklusion, Zuwanderung, Integration und Digitalisierung kontinuierlich zu. Zahlreiche Kolleginnen und Kollegen kehrten dem Beruf deshalb den Rücken oder gingen aus eigener Tasche in den vorzeitigen Ruhestand.

Aktuelle Bildungsvergleichsstudien bestätigen die Sorgen der Personalräte: Die Kompetenzen in Lesen, Schreiben und Rechnen gehen seit Jahren zurück. „Schweigen aus dem Ministerium löst keine Probleme“, betont Öhlenschläger.

Eine hochwertige Bildung hänge jedoch nicht nur vom Personal ab, sondern auch von Zustand und Ausstattung der Schulgebäude. „Gerade darauf können wir im Kreis Bergstraße stolz sein. Die Freien Wähler unterstützen seit 2006 konsequent den Kurs der dringend notwendigen Sanierung und Modernisierung.“

Doch eines sei ebenso wichtig: „Was nützt das modernste Schulgebäude, wenn sich die Lehrkräfte alleingelassen fühlen?“ Die Freien Wähler seien bei den Menschen vor Ort, im Austausch mit Schulen, Eltern und Personalräten, und nähmen deren Themen und Anliegen ernst. Sie fordern das Kultusministerium eindringlich auf, die Sorgen und Nöte vor Ort wahrzunehmen und in einen echten Dialog einzutreten.

Eine Politik von oben herab fördere Politikverdrossenheit und passe weder in das 21. Jahrhundert noch zu einer zeitgemäßen demokratischen Kultur – schon gar nicht, wenn sie auf Kosten unserer wichtigsten Ressource, der Bildung, und auf dem Rücken der Schüler ausgetragen wird.

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