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Großprojekt Geothermieforschung auf der Tromm zu Lasten des Bürgerwohls?

Plakate, die in den Kommunen rund um die Tromm auf das Risiko eines Versuchslabors im Berg der Tromm aufmerksam machen.

Während Bürger aus den Anrainer-Gemeinden rund um die Tromm „bei einem solch massiven Eingriff in einen hochsensiblen Naturraum“ große Besorgnis wegen „unabsehbarer Folgen für Umwelt, Wasserhaushalt und die Menschen vor Ort“ kundtun und heftig protestieren, warb Dr. Michael Meister, Bergsträßer CDU-Wahlkreisabgeordneter und Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit in Berlin, bei einem informativen Vor-Ort-Termin auf der Tromm für das Projekt + + + Auch die Befürchtung um ein mögliches Atommüll-Endlager konnte nicht restlos beseitigt werden

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TROMM / ZOTZENBACH. – „Auf der Suche nach einem Atommüll-Endlager hat die zuständige Bundesbehörde die geeigneten Regionen auf 25 Prozent der deutschen Landesfläche eingegrenzt. In Hessen wird nur ein kleiner Bereich im Vorderen Odenwald weiter geprüft.

Dazu gehören im Kreis Bergstraße Gebiete der Gemeinden Fürth, Rimbach, Mörlenbach, Birkenau, Gorxheimertal und der Kreisstadt Heppenheim. Dieser Bereich hat wie andere in Deutschland laut BGE bereits zwei Prüfschritte der vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen durchlaufen. Daten zum Granitgestein im Odenwald sollen weiter analysiert und bewertet werden.“ Das meldete der Hessische Rundfunk am 03. November 2025.

Vor diesem Hintergrund steht die Bevölkerung zwischen dem Rimbacher Ortsteil Zotzenbach, Grasellenbach und der Tromm dem 50-Millionen-Euro-GeoLaB-Projekt besonders kritisch gegenüber, nicht zuletzt weil für dieses Projekt „zu unterirdischen Forschungszwecken“ von Zotzenbach aus im Bergrücken der Tromm ein bis zu acht Meter breiter und 2 Kilometer langer Stollen zu den eigentlichen Laborräumen in 400 Metern Tiefe gebaut werden soll.

Auch wenn Projektleiter, Prof. Dr. Ingo Sass (in Doppelfunktion für TU Darmstadt und >Helmholtz-Institut für Geoforschung aktiv< tätig), bei einem Ortstermin beschwichtigte und versicherte: „Gerade die Tatsache, dass wir an dieser Stelle Geoforschung betreiben, verhindert ein Endlager“, bleiben Anwohner äußerst skeptisch und äußerten insbesondere wegen „mangelnder Transparenz bei dem Projekt“ Zweifel an dieser Darstellung.

Anwohner machen vor ihrem Gehöft im Rimbacher Ortsteil Zotzenbach auf die Gefahren eines Atommüll-Endlagers wie auch insgesamt auf die „Zerstörung der Heimat“ aufmerksam.

Diese Skepsis basiert auch auf der Förderung des GeoLaB-Projekts mit rund 15 Millionen Euro durch die Bundesgesellschaft Endlagerung (BGE), die nach einem geeigneten Standort für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle sucht.

Das Gesamtprojekt läuft über den zentralen Fördertopf für Forschung und Innovation der Europäischen Union namens >Horizont Europa< (englisch: Horizon Europe). Es ist das neunte EU-Rahmenprogramm und läuft von 2021 bis 2027 mit einem Gesamtbudget von rund 95,5 Milliarden Euro. Der Europäische Forschungsrat (ERC) bietet damit individuelle Förderungen für bahnbrechende Pionierforschung – auch in spezifischen Risiko- und Sicherheitsbereichen. 

Michael Meister: „Deutlicher Fortschritt für die unabhängige Energieversorgung“

Der christdemokratische Bundestagsabgeordnete Dr. Michael Meister gar sieht mit dem GeoLaB-Projekt auf der Tromm einen deutlichen Fortschritt für die „unabhängige Energieversorgung“. Das sagte der Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit kürzlich bei einem Ortstermin und lobte insbesondere den Bergsträßer Landrat Christian Engelhardt für dessen Engagement für die beiden Forschungsprojekte im Kreis Bergstraße >GeoLaB< Tromm und dem >Zentrum für Laserfusion< auf dem Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks Biblis.

Der wissenschaftliche Leiter des GeoLaB-Projekts auf der Tromm, Prof. Dr. Ingo Sass (2. von rechts), und der christdemokratische Bergsträßer Bundestagsabgeordnete Dr. Michael Meister (rechts) bei einem Informationstermin vor einem 500 Meter tiefen Bohrloch auf der Tromm.

Wissenschaftler und Mitarbeitende um Prof. Sass erläuterten vor Ort auf der Tromm das aktuelle und geplante Vorhaben vor zwei verbliebenen, 500 und 800 Meter tiefen Bohrlöchern, als letzte Relikte einer bereits seit 2024 groß angelegten ersten Versuchsaktion bei dem turmhohe Bohrständer das ansonsten idyllische Landschaftsbild prägten.

Derzeit führt lediglich ein Glasfaserkabel in die mit Regenwasser gefüllte Tiefe eines dieser Bohrlöcher. Wichtigste Erkenntnisse sollen über diesen Weg vorwiegend über die Temperatur in der gesamten Bohrlänge gewonnen werden. Solche Messungen würden auch die Basis für eventuelle Auswirkungen einer künftigen Bautätigkeit schaffen, sagten die Wissenschaftler.

„Hier wird vor, während und auch nach Fertigstellung geforscht“, erläuterte Sass „das Besondere dieses GeoLaB-Projekts“. Auch sei hier „der wahrscheinlich am besten erkundete kristalline Standort in Deutschland“, konstatierte er.

Er erachtete den „in Deutschland inzwischen konkurrenzlosen Standort für eine reine Grundlagenforschung“ als „großen Vorteil“ für die Region. Überhaupt seien „Forschungslabore weltweit immer Erfolgsgeschichten für Wissenschaft und die betreffende Region“.

Bezüglich der weiteren Vorgehensweise nannte Ingo Sass eine Anfang kommenden Jahres geplante weitere Bohrung, „die als seismische Erkundung noch mehr Aufschluss“ über das die Tromm prägende Gestein geben solle. Bis Mitte 2027 solle dann auch der Trassenkorridor für den geplanten Stollen samt der in 400 Metern Tiefe geplanten Laborräume fixiert sein.

Zeitgleich wolle man in dem erforderlichen „mehrstufigen Genehmigungsverfahren“, das unter den Regularien des Bergrechts erfolgt, in einen intensiven Kommunikationsaustausch mit der Bevölkerung treten und diese regelmäßig mit den erforderlichen Infos versorgen.

Wo genau das Labor am Ende eines gut zwei Kilometer langen Stollens gebaut werden soll, müsse im Verlauf der nächsten Planungsphase erarbeitet werden, erläutert Prof. Bastian Rudolph vom federführenden Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

CDU-Politiker Dr. Michael Meister (3. von rechts) im Kreise der GeoLaB-Wissenschaftler um deren Leiter Prof. Dr. Ingo Sass (2. von rechts) auf der Tromm. Fotos: mk-Presse / er

Der Wissenschaftler misst dem Projekt ebenfalls große Bedeutung zu: „Ein Untertagelabor für Geothermie in diesem Maßstab gibt es sonst weltweit nicht.“ Auf FAKT-Anfrage bestätigte ein BGE-Sprecher zwar, dass „die Tromm selbst für ein Endlager ungeeignet“ sei, „der angrenzende Raum jedoch geeignet“ sein könne, weil „grundsätzlich die Wirtsgesteine Steinsalz, Tongestein und Kristallingestein in Betracht“ kämen.

Anwohner aber haben auch über die Befürchtungen eines möglichen Endlagers hinaus enorme Bedenken gegen das geplante Projekt. So formulierte Bianka Bröcheler zahlreiche Fragen an wissenschaftlichen Leiter Prof. Ingo Sass wie auch an den Politiker Dr. Michael Meister.

Für die Bauphase erwartet die Zotzenbacherin „vermutlich zwei Jahre zwei Jahre, in denen die LKW Tag und Nacht hin- und herfahren“ beim Aushub des zwei Kilometer langen Tunnels und der eigentlichen Laborräume. Diese Bedenken räumte der Wissenschaftler ein, „weil eine Bauphase immer mit Belästigungen einher geht“, verwies gleichzeitig aber darauf, dass noch längst nicht feststehe, wer betroffen sei.

Fest stehe indes, „dass sich äußerlich auf der Tromm kaum etwas verändern“ würde. Lediglich ein Eingang zum Stollen an der Bergseite wäre ein sichtbares Zeichen auf das Labor. An dieser Stelle sei zusätzlich noch ein Informationszentrum geplant.

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