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SPD Bensheim: „Teilzeit ist kein Lifestyle, sondern Realität“

Pressedienst SPD Bensheim

BENSHEIM. – Scharfe Kritik üben die beiden Vorsitzenden der Bensheimer SPD, Dr. Julia Hamm und Jürgen Kaltwasser, an der Forderung von Bundeskanzler und CDU-Vorsitzendem Friedrich Merz, die Deutschen sollten länger arbeiten.

Kaum hatte Merz diese Forderung erhoben, wurden aus dem wirtschaftsnahen Umfeld der Union Überlegungen laut, das Recht auf Teilzeitarbeit infrage zu stellen. Dabei arbeiteten in Deutschland rund 19,7 Millionen Beschäftigte in Teilzeit – oftmals nicht aus freien Stücken, sondern weil es die familiären Rahmenbedingungen erfordern.

„Anstatt Menschen mit dem Schlagwort >Lifestyle-Teilzeit< unter Generalverdacht zu stellen, sollten sich die Befürworter solcher Forderungen besser um flexible Arbeitszeitmodelle sowie um den Ausbau von Kitas und der ambulanten Pflege kümmern“, erklärten Hamm und Kaltwasser vor dem Vorstand ihrer Partei. Längst sei wissenschaftlich belegt, dass Teilzeitarbeit mit höherer Produktivität und weniger Krankentagen einhergehe – ein echter Gewinn auch für Unternehmen, so Hamm.

„Die Abschaffung der Teilzeit ist eine Schnapsidee“, betont Kaltwasser. Viele Beschäftigte könnten sich nicht aussuchen, wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gelingt. In Bensheim sei man froh, mit wohnortnahen Kitas und Betreuungszeiten von 07 bis 16.30 Uhr einen wichtigen Beitrag zur Vereinbarkeit leisten zu können. „Das ist leider nicht überall in Hessen der Fall.“

In der Seniorenbetreuung bestehe weiterhin erheblicher Handlungsbedarf. Zwar habe die Schließung des Seniorenzentrums Fürstenlager durch Privatinitiativen verhindert werden können, dennoch zeige dieser Fall, wie prekär die Situation mittlerweile sei. Für viele Berufstätige, die Angehörige pflegen, sei dies ein enormer Kraftakt.

Die Teilzeitquote von nahezu 40 Prozent in Deutschland habe nach Erkenntnissen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung jedenfalls nicht dazu geführt, dass das Arbeitsvolumen insgesamt gesunken sei. Im Gegenteil: Teilzeitbeschäftigte arbeiteten heute mehr Stunden als noch vor einigen Jahren. Das grundsätzlich verbriefte Recht auf Teilzeitarbeit dürfe daher nicht – und schon gar nicht aus populistischen Gründen – infrage gestellt werden, heißt es abschließend.

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