Glückwünsche für Kevin Schmauß (CDU, Mitte), den neuen zweiten hauptamtlichen Kreisbeigeordneten, durch die Fraktionsvorsitzenden Harald Buschmann (CDU, links), und Raoul Giebenhain (SPD).
Kevin Schmauß (33, CDU) mit deutlicher Mehrheit zum 2. Hauptamtlichen Kreisbeigeordneten gewählt
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ODENWALDKREIS / REICHELSHEIM. – Neben der Verabschiedung des Kreishaushalts 2026 durch den Kreistag des Odenwaldkreises stand am Montagnachmittag, 22. Juni, in der Reichelsheimer Reichenberghalle die Wahl eines zweiten hauptamtlichen Kreisbeigeordneten im Fokus.
Erwartungsgemäß wurde zunächst der mit rund 7,7 Millionen Euro defizitäre Kreisetat mit den Stimmen der Koalitionäre aus SPD und CDU (26 Stimmen) bei Enthaltung von AfD und Die LINKE sowie Gegenstimmen der ÜWG, GRÜNEN und der Fraktion >Zukunft Odenwald< (FDP/ZBK) mehrheitlich verabschiedet.
Nach heftigem verbalen Schlagabtausch, zu dem die Opposition die Koalitionäre herausforderte, fand sich schließlich zum Ende der rund 4-stündigen Sitzung in geheimer Wahl eine deutliche Mehrheit von 29 Stimmen für den neuen zweiten hauptamtlichen Kreisbeigeordneten, den 33-jährigen Kevin Schmauß (CDU).
Dabei votierten mindestens drei oppositionelle Mandatsträger neben den Koalitionären aus SPD und CDU, die zusammen 26 Sitze der insgesamt 51 Sitze im Odenwälder Kreistag inne haben, für den Juristen aus dem Höchster Ortsteil Mümling-Grumbach.
Kevin Schmauß hatte sich und seine Vorstellungen zur Amtsführung zunächst eindrucksvoll vorgestellt:
„Zunächst das Wer? Dann das Wie?
Der Schwerpunkt wird dabei auf dem >Wie?< liegen, das >Wer?< entsprechend kürzer ausfallen. Das erklärt sich nachvollziehbar, so hoffe ich zumindest, schon allein daraus, dass ich in diesem Landkreis seit über 10 Jahren politisch aktiv bin und ich viele von Ihnen deshalb schon seit langer Zeit persönlich kenne und mit Ihnen in der ein oder anderen Form gut zusammenarbeiten durfte. Man könnte also sagen: Sie kennen mich.
Das Wie? hingegen braucht mehr Raum. Ich will diesen Raum nutzen, um Sie an meiner Vorstellung davon teilhaben lassen, wie wir in den kommenden Jahren in den Bereichen der Wirtschaftsförderung und des Tourismus, in der Landwirtschaft und dem Veterinärwesen, unserem Öffentlichen Personennahverkehr sowie im Bereich von Gesundheit und Verbraucherschutz in der Verwaltung aufgestellt sein müssen, um unseren Landkreis erfolgreich und zukunftsfähig zu gestalten.
Doch zunächst zum Wer?
Mein Name ist Kevin Schmauß, ich bin 33 Jahre alt, bin in unserem Krankenhaus in Erbach geboren und lebe im Höchster Ortsteil Mümling-Grumbach. Nach dem Abitur an der Ernst-Göbel Schule habe ich in London und Berlin Jura studiert und das Studium mit einem Bachelor of Laws und dem Diplom nach dem Ersten Staatsexamen abgeschlossen.

Der neue zweite hauptamtliche Kreisbeigeordnete Kevin Schmauß präsentierte sich und seine Vorstellungen vor der geheimen Wahl, die ihm 29 Voten aus den Reihen der Mandatsträger bescherte. Fotos: er
Danach war ich zunächst in einer Berliner Agentur als Berater mit dem Schwerpunkt Mobilität, Datenschutz und Finanzwirtschaft tätig. Danach habe ich die Büroleitung unserer Landtagsabgeordneten hier im Odenwald übernommen.
Kommende Woche endet für mich der juristische Ausbildungsabschnitt des Zweiten Staatsexamens, sodass ich mich, so Gott und das juristische Prüfungsamt wollen, nach der darauffolgenden mündlichen Prüfung Volljurist nennen darf.
In die Kommunalpolitik im Odenwaldkreis bin ich mit der Wahl im Jahr 2011 als Gemeindevertreter gestartet. In der Folge wurde ich Ortsbeirat, Kreistagsabgeordneter, Beigeordneter der Gemeinde Höchst und zuletzt auch ehrenamtlicher Kreisbeigeordneter unseres schönen Landkreises.
Ich bin mit Blick auf die Erfahrungen, die ich in Ausbildung, Beruf und Ehrenamt gesammelt habe, überzeugt, dass ich das richtige Rüstzeug mitbringe, um den Landrat und den Ersten Kreisbeigeordneten tatkräftig und sinnvoll bei der Führung unserer Kreisverwaltung zu unterstützen.
Nun zum Wie?
Der soeben von diesem Hause beschlossene Kreishaushalt für das Jahr 2026 hat uns, so wie Ihre Haushaltsreden, eindrücklich daran erinnert, dass wir uns inmitten einer Krise der Kommunalfinanzen befinden, die unserer eigenen Handlungsfähigkeit spürbare Grenzen setzt.
Der Grund für diese Krise ist der uns allen unter dem Stichwort Konnexität bekannte Umstand, dass wir die durch Bund und Land beschlossenen Aufgaben und Rechtsansprüche umsetzen und finanzieren müssen, ohne dafür einen angemessenen Ausgleich zu erhalten.
Schon der im letzten Jahr beschlossene Kreishaushalt hat gezeigt, dass selbst bei Einsparung aller freiwilligen Leistungen, die ja nicht zuletzt auch Ausdruck unserer kommunalen Souveränität sind, das strukturelle Defizit nicht beseitigen könnten.
Die Krise hat also System. Oder sie entsteht vielmehr durch das System. Welchen Schluss ziehen wir nun daraus? Etwa, dass wir uns im besten Fall auf ein absolutes Minimum eigener Aktivitäten beschränken, dabei trotzdem defizitär bleiben und unsere ganze Kraft in das Klagelied über die Systemkrise investieren?
Ich hielte das nicht für richtig. Und die Bürger unseres Landkreises nach meiner Überzeugung auch nicht. Vielmehr ist es an uns, einerseits die Beseitigung der Ungerechtigkeiten im System mit Nachdruck einzufordern und gleichzeitig unsere eigene Position als Landkreis zu stärken.
Die Konnexitätskrise, die wir erleben, trifft uns in doppelter Weise. Zum einen finanziell, zum anderen bürdet uns insbesondere der Bund in der aktuellen Lage Reformen des Sozialstaats und Gesundheitswesens auf, die von Berlin entschieden und hier bei uns vor Ort umgesetzt werden müssen. Das bindet auch personelle Ressourcen in der Führung unserer Verwaltung.
Wirtschaftsförderung
Die Antwort auf diese Entwicklung kann und darf nicht sein, dass wir nur noch diese Aufgaben priorisieren und darüber vergessen, dass die uns selbst obliegende Stärkung des Odenwaldkreises als Wirtschafts- und Innovationsstandort Grundlage für eine gute Zukunft für alle Menschen in unserem Odenwald ist.
Wenn wir uns in dieser Zukunftsaufgabe nicht ernst nehmen und so organisieren, dass wir durch eine kluge Strukturpolitik Rahmenbedingungen schaffen, die Chancen bieten und Wachstum ermöglichen, dann wird uns dieses Versäumnis in nicht allzu langer Zeit einholen – auch wenn die Krise der kommunalen Finanzen eine Lösung erfährt.
Meine Überzeugung war deshalb schon immer, dass wir als ländlich geprägter Landkreis die Förderung und Unterstützung unserer heimischen Wirtschaft mindestens genauso ernst nehmen müssen, wie es größere Landkreise und Städte tun, die sich weniger Herausforderungen in der Anbindung und Infrastruktur gegenübersehen.
Unsere Wirtschaftsförderung muss Priorität haben. Sie muss so organisiert sein, dass wir agil und nahbar auf die Bedarfe und Interessen von Unternehmern und Gründern im Kreis reagieren können und dabei gleichzeitig die Botschaft in die Welt senden, dass sich die Entscheidung für den Odenwaldkreis als Standort lohnt, weil Verwaltung hier insgesamt unternehmerfreundlich funktioniert.
Dafür soll in Zukunft auch das in der Mitte dieses Hauses gegründete Wirtschaftsforum Odenwald ein Aushängeschild sein, indem es relevante Vernetzung und innovativen Austausch von Entscheidern auf Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite ermöglicht.
Wir müssen dafür bestehende Strukturen, vor allem mit Blick auf die Gründerkultur, stärken und unsere eigene Markenbotschaft als Wirtschaftsstandort weiterentwickeln und hörbar machen. Das dafür notwendige Netzwerk über die Grenzen unseres Landkreises hinaus will ich stärken und ausbauen, sodass wir langfristig unsere Position und mit ihr Arbeitsplätze sichern.
Insgesamt muss unserer Wirtschaftsförderung in der Zusammenarbeit mit allen anderen Abteilungen der Verwaltung und anderen Institution Botschafterin einer Ermöglichungskultur sein, die Chance erkennt und fördert anstatt Stopp-Schilder zu errichten.
ÖPNV und Verkehr
Stopp heißt es leider im Odenwald auch immer noch viel zu oft, wenn es um Verkehr und Transportwege geht. Der Verkehrsinfarkt, den wir durch die Sperrung und den Neubau der Zeller Talbrücke erleben, hat uns alle schmerzhaft daran erinnert, wie überlebenswichtig und bedeutsam unsere Verkehrsinfrastruktur für die Lebensqualität und wirtschaftliche Lage in unserem Landkreis sind. Die Sperrung trifft alle Menschen, in besonderem Maße aber auch unsere Unternehmen, denen Kunden fern bleiben und Lieferwege erschwert werden.
Umso deutlicher wird klar, wie wichtig der Erhalt und der Ausbau unseres Öffentlichen Personennahverkehrs ist, der neben dem Individualverkehr, der besonders auf der Schiene in Zukunft eine Stärkung erfahren muss, wenn wir unseren Standort vor allem mit Blick auf die Pendler erfolgreich weiterentwickeln wollen.
Aus der Sicht eines Wirtschaftsdezernenten haben also die überfällige Umsetzung der Erbacher Erklärung zur Modernisierung der Odenwaldbahn, die Straßenbauprojekte an B45 und B38 sowie eine rechtssichere und vor allem die Qualität sichernde Vergabe unserer lokalen Verkehre in 2029, die unseren Odenwald mobil hält, in den kommenden Jahren Priorität.
Tourismus
Erreichbarkeit und Anschluss sowie ein wirksames Standortmarketing für die Region sind letztlich auch für einen weiteren Wirtschaftszweig hier im Odenwald unverzichtbar: den Tourismus und die Gastronomie.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, Sie in diesem Kreise hier wissen alle, dass wir in diesem Bereich vor einer grundlegenden Neuaufstellung der Strukturen und Arbeitsweise stehen, die in ihrer Anfangsphase Führung aus der Kreisverwaltung und eine robuste Vertretung unserer Interessen in der gedeihlichen Zusammenarbeit mit den anderen Partnern in der Destination braucht.
Viele von Ihnen haben in der letzten Wahlperiode in einer Entscheidung mit parteiübergreifender Unterstützung den Namen unseres Regionalausschusses um den Begriff des Tourismus erweitert, um ein Signal zu setzen. Nun wird es höchste Zeit, diesem Signal Taten folgen zu lassen. Ich will mich diesem Ziel mit ganzer Kraft widmen.
Die positive Botschaft, die der Odenwald mit seiner landschaftlichen Schönheit und Lebensqualität auch über den Tourismus in die Welt senden kann, wird, wenn wir es richtig machen, auch zu unserem allgemeinen Erfolg als Wirtschaftsstandort beitragen.
Landwirtschaft
Lassen sie mich abschließend zu einer mir sehr am Herzen liegenden Gruppe von Unternehmern kommen, die auch einen unverzichtbaren Beitrag zu unserem Erfolg als Region leistet: Unseren Landwirten.
Egal ob im Haupt- oder Nebenerwerb, unsere Landwirte und ihre Höfe sowie unsere Direktvermarkter prägen unsere Landschaft und damit unsere Region. Sie schaffen mit ihrer Arbeit unverwechselbare Visitenkarten für unseren Odenwald und sichern unsere Ernährung. Sie sind Versorger und touristische Attraktion zugleich.
Sie sehen sich dabei mit einschneidenden Entwicklungen in den Märkten und mit immer höheren gesetzlichen Anforderungen an ihre Arbeit konfrontiert. Mir ist wichtig, dass wir als Veterinärverwaltung in unserer Rolle als Kontrollbehörde den Menschen, die in der Landwirtschaft Großartiges leisten, auf Augenhöhe begegnen und auch hier eine Ermöglichungskultur pflegen, die dem Höfesterben entgegenwirkt und unsere Wertschätzung transportiert.
Es wird allerhöchste Zeit, unsere Landwirte mit dem ihnen gebührenden Dank wieder in die Mitte unsere Gesellschaft zu holen und sie aktiv gegen den Vorwurf Unweltsünder zu sein zu verteidigen.
Unsere Landwirtschaft zu stärken, bedeutet, unsere eigene Identität zu stärken. Und nur wer seine Identität kennt, kann eine starke Botschaft in die Welt senden, warum wir eine Region mit Zukunft und Potential sind.
So, lassen sie mich zum Ende kommen. Es ist warm und ich habe Ohren und Aufmerksamkeit nun genug strapaziert. Ich hoffe, ich konnte Ihnen vermitteln, für wie wichtig ich die von mir benannten Zukunftsaufgaben für uns halte, und dass ich meine ganze Kraft einsetzen würde, um sie zum Wohle unseres Kreises und seiner Bürger zu erfüllen.
Ich möchte Sie alle, das heißt nicht nur die Fraktionen der Koalition, sondern auch die Opposition nun um Ihre Vertrauen bitten, um mir die Möglichkeit einzuräumen, einen Beitrag zur erfolgreichen Bewältigung der Aufgaben zu leisten, die vor uns stehen.
Was ich Ihnen verspreche ist meinen ganzen Einsatz und meine ganze Kraft in die benannten Aufgaben und in vieles darüber hinaus zu investieren, um hier im Odenwald eine gute Zukunft zu sichern.
Ich weiß, aus der politischen Logik heraus ist es zwingend, dass heute einige von Ihnen für einen schlanken Staat und damit eine schlanke Verwaltung plädieren. Das ist auch grundsätzlich kein unkluger Gedanke.
Beim Thema Wirtschaftsförderung und allem was sie einschließt und betrifft rufe ich Ihnen wirklich zum Schluss zu, was ein echter Odenwälder sagen würde: Von nix kommt nix!“
Ausführlicher Bericht zur 3. Kreistagssitzung in der laufenden Legislaturperiode folgt.










