Odenwälder Krankentransportwagen vor der Überführung in die Ukraine: David Weiser, Reinhard Müller, Frank Sauer und Jupp Simon am ehemaligen Krankentransportwagen, der Anfrag Juli nach Chmelnyzkyj gebracht wurde.
IPA Bergstraße-Odenwald überführt dritten Krankentransportwagen des DRK Odenwaldkreis in die Ukraine
ODENWALDKREIS / BERGSTRASSE. – Was im Odenwald ausgemustert wird, kann in der Ukraine noch Leben retten. Genau dieser Gedanke verbindet seit mehreren Jahren die IPA Bergstraße-Odenwald und den DRK-Kreisverband Odenwaldkreis e. V.. Gemeinsam ist es gelungen, Anfang Juli bereits den dritten Krankentransportwagen aus der Region dorthin zu bringen, wo medizinische Hilfe täglich über Leben und Tod entscheidet.
Für den Gernsheimer Kriminalhauptkommissar David Weiser, Vorsitzender der rund 300 Mitglieder starken IPA Bergstraße-Odenwald, war es bereits die dritte Überführung eines Krankentransportwagens. Gemeinsam mit dem Leitenden Polizeidirektor Hartmut Scherer machte er sich auf den mehr als 3.000 Kilometer langen Weg nach Chmelnyzkyj in der Westukraine.
Die International Police Association (IPA) ist mit rund 370.000 Mitgliedern in über 100 Staaten der weltweit größte Berufsverband von Polizeibeschäftigten. Unter ihrem Leitspruch „Servo per Amikeco – Dienen durch Freundschaft“ verbindet sie Polizeibeschäftigte über Ländergrenzen hinweg und engagiert sich weltweit für internationale Zusammenarbeit und humanitäre Hilfe.
Die IPA Bergstraße-Odenwald engagiert sich seit mehreren Jahren für die Unterstützung ukrainischer Polizeikollegen. Bereits in der Vergangenheit konnten mehrere Rettungswagen sowie weitere dringend benötigte Hilfsgüter aus der Region in die Ukraine gebracht werden.
Der aktuelle Krankentransportwagen wurde erneut vom DRK Kreisverband Odenwaldkreis e. V. zur Verfügung gestellt. Damit leistet der Odenwald einen ganz konkreten Beitrag zur medizinischen Versorgung in einem Kriegsgebiet.
Vor der Abreise wurden Weiser und Scherer vom hessischen Innenminister Prof. Dr. Roman Poseck verabschiedet, der die Hilfsmission ausdrücklich unterstützte und selbst Mitglied der IPA Bergstraße-Odenwald ist.
Erst bei der offiziellen Übergabe erfuhren die beiden Polizeibeamten, dass der Krankentransportwagen bereits wenige Tage später rund 30 Kilometer hinter der Front im Raum Kramatorsk als Rettungswagen eingesetzt werden sollte.
Angehörige einer ukrainischen Polizeispezialeinheit nahmen das Fahrzeug persönlich in Empfang. Viele von ihnen befanden sich nur für wenige Tage im Heimaturlaub, bevor sie wieder an die Front zurückkehrten.
„Gerade bei der Übergabe wurde uns noch einmal eindrucksvoll vor Augen geführt, welche Bedeutung ein Rettungswagen für die Menschen in der Ukraine hat. Er ist weit mehr als ein Fahrzeug, er bedeutet Hoffnung“, berichteten Weiser und Scherer nach ihrer Rückkehr.

Übergabe des Rettungswagens in Chmelnyzkyj an die ukrainischen Kollegen der Polizei, darunter auch der Polizeipräsident der Oblast, Polizeioberst Iwan Ischtschenko (3. von rechts), ein Geistlicher der ukrainisch-orthodoxen Kirche, der das Fahrzeug segnete, sowie David Weiser (4. von rechts) und Hartmut Scherer (6. von rechts) vom Polizeipräsidium Südhessen. Fotos: DRK Odenwaldkreis & IPA Bergstrasse-Odenwald
Auch wenn die Reise ohne Zwischenfälle verlief, zeigte sich der Krieg bereits am ersten Abend. Während ihres Aufenthalts in einem gemeinsamen Polizei- und Militärkrankenhaus wurde Luftalarm ausgelöst. Das Krankenhauspersonal brachte die beiden Polizeibeamten routiniert in die Schutzräume. Der Alarm blieb ohne Folgen, machte jedoch deutlich, dass der Krieg auch im Westen der Ukraine allgegenwärtig ist.
Die Unterbringung im Krankenhaus ermöglichte zahlreiche Gespräche mit verletzten Einsatzkräften und ukrainischen Polizeikollegen. Besonders eindrucksvoll war der Moment, als Weiser und Scherer den Rettungswagen wiedersahen, den die IPA Bergstraße-Odenwald bereits 2022 in die Ukraine überführt hatte. Noch immer versieht er dort täglich seinen Dienst.
„Als wir den Rettungswagen wiedergesehen haben, den wir bereits 2022 in die Ukraine gebracht hatten, wurde uns erneut bewusst, dass unsere Hilfe nachhaltig wirkt“, sagte David Weiser.
Die ukrainischen Partner berichteten zudem von den zunehmenden psychischen Belastungen, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Besonders bewegend war der Besuch eines der sieben Soldatenfriedhöfe in Chmelnyzkyj. Zwischen den Gräbern wurde deutlich, dass hinter jedem Namen ein Mensch mit Familie, Freunden und einer eigenen Lebensgeschichte steht.
Gerade in einer Zeit, in der andere internationale Krisen und Konflikte die Schlagzeilen bestimmen, wollte die IPA Bergstraße-Odenwald mit dieser Fahrt auch daran erinnern, dass der Krieg in der Ukraine unvermindert weitergeht. Für die Menschen vor Ort gehört er seit Jahren zum Alltag. Umso wichtiger bleibt es, humanitäre Hilfe zu leisten und ein Zeichen der Solidarität zu setzen.
Für die ehrenamtlichen Polizeibeamten war klar: „Die größte Erkenntnis dieser Reise war für uns nicht die Übergabe eines Krankentransportwagens. Es war zu erleben, dass Hilfe aus dem Odenwald nur wenige Tage später genau dort ankommt, wo sie Menschenleben retten kann. Das zeigt, welchen Unterschied Menschen aus unserer Region gemeinsam bewirken können.“
Die Rückreise erfolgte mit Unterstützung ukrainischer und polnischer IPA-Freunde. Ein kurzer Aufenthalt in Warschau bot zudem Gelegenheit, bestehende Kontakte zu polnischen Kollegen zu pflegen und die internationale Zusammenarbeit weiter auszubauen.
Die Geschichte dieses Rettungswagens zeigt eindrucksvoll, dass humanitäre Hilfe nicht irgendwo beginnt. Sie beginnt dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen – auch im Odenwald und an der Bergstraße.









