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Spannende Exkursion des Museumsvereins Bensheim zu Schloss und Park Heiligenberg

Die Teilnehmer der Heiligenberg-Führung.

Pressedienst Museumsverein Bensheim

BENSHEIM. – Auf hochinteressanten historischen Wegen bewegte sich am letzten Samstag im Juli die Exkursionsgruppe des Museumsvereins Bensheim bei dem von Holger Steinert organisierten und von einer versierten Führerin begleiteten Rundgang auf dem Heiligenberg oberhalb von Jugenheim und somit nahe Bensheim.

Beginnend am Brunnen im Schlosshof führte der Weg die zwölfköpfige Besuchergruppe durch Teile des schönen Parks und vorbei am Schlossteich aus dem Jahr 1875 zur Kapellenruine des Nonnenklosters. Dieses war Hauskloster der Herren von Bickenbach und blieb stets bescheiden in der Größe.

Die letzten Nonnen verließen es bereits Anfang des 15. Jahrhunderts. Im 19. Jahrhundert wurde aus den baulichen Resten eine romantische Ruine für die Spaziergänge der Schlossbesitzer, ihrer Gäste und der Öffentlichkeit errichtet. Für den Chor holte man Maßwerkreste der 1827 abgerissenen Kirche von Gronau, dem heutigen Bensheimer Stadtteil, und baute sie dort ein.

Teilansicht Schloss Heiligenberg.

Dem schloss sich eine Besichtigung des benachbarten Kreuzgartens an, der nur nach Anmeldung und in Begleitung zugänglich ist. Hier kommt man zunächst zur circa 800 Jahre alte Zentlinde, die erstmals im Jahr 1447 erwähnt wurde und die jahrhundertelang als Gerichtsort unter freiem Himmel diente. 

Der Stamm ist ausgehöhlt und die Äste gestützt durch eine Holz- und Eisenkonstruktion. Man kann also das wirkliche Alter nicht feststellen, es wird aber davon ausgegangen, dass der Baum eine der ältesten noch lebenden Linden Deutschlands ist. Hier wurde auch der Blick frei auf einige weitere Mauerreste des ehemaligen Nonnenklosters.

Der Weg führte die Besuchergruppe dann zur Grabstätte der battenbergischen Stammeltern Prinz Alexander von Hessen und bei Rhein und Prinzessin Julie von Battenberg nahe dem Mausoleum beziehungsweise der Gedächtniskapelle. 

Das Grab-Kreuz beim Mausoleum. Fotos: Holger Steinert

Das Gebäude wurde Ende des 19. Jahrhunderts in teilweise byzantisierendem Stil erstellt, aber mit Elementen ausgestattet, die damals ganz modern über Kataloge bestellt werden konnten. Das rund acht Meter hohe Goldene Kreuz von 1866, das im Jahr 1998 neu vergoldet wurde, steht am Doppelgrab.

Von dort aus ging es zurück zum Schloss, wo die versierte Führerin weitere Ausführungen zum Schloss, dem Park und seiner Geschichte machte: Bereits in fränkischer Zeit befand sich auf dem Heiligenberg ein Gerichts- und Versammlungsort, an welchem in der Regel ein Mal jährlich das Zentgericht unter der Zentlinde stattfand.

Im 13. bis und 15. Jahrhundert bestand dort ein kleines Kloster und wahrscheinlich ein landwirtschaftlicher Betrieb zur Versorgung der Nonnen. Nach der Säkularisation 1803 ging der Heiligenberg an das Haus Hessen-Darmstadt, dessen Großherzog das bis dahin landwirtschaftlich genutzte Gut an August Konrad von Hofmann, einen verdienten hessischen Finanzbeamten, vergab.

Dieser ließ das Gut baulich erheblich erweitern und modernisieren und sorgte für eine Wasserleitung, da der Heiligenberg ohne Quelle oder Bachlauf ist. 1827 erwarb die badische Prinzessin Wilhelmine, Gemahlin des späteren hessischen Großherzogs Ludwig II. das Hofgut und ließ es 1831 nach Plänen des hessischen Oberbaudirektors Moller zu einem klassizistischen Schloss um- und ausbauen.

Sie verstarb 1836 und hinterließ das gesamte Anwesen ihren Kindern Marie und Alexander, der nicht standesgemäß Julie von Hauke heiratete. Die Familie erhielt den Namen Battenberg, womit Schloss Heiligenberg zum Stammsitz der Battenbergs, den Vorfahren der englischen Mountbattens wurde.

In der Folge trafen sich im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts hier die untereinander verwandten russischen, englischen und hessischen Dynastien, darunter die Zaren Alexander II., Alexander III. und Nikolai II., die hier ihre Sommerfrische verbrachten.

Im 20. Jahrhundert kam das Schloss in private Hände, dann an Hessen, das über die Jahrzehnte Schulungs- und Schuleinrichtungen unterhielt, bis 2012 eine Stiftung den Betrieb übernahm und aktuell die Teile des Schlosses durch unterschiedliche Organisationen genutzt werden.

Zuletzt ging es für die Teilnehmer zum sogenannten Russenhaus, das als Unterkunft der russischen Bediensteten während der Zarenbesuche auf dem Heiligenberg diente und in welchem sich eine Ausstellung zu den Adeligen befindet, die den Heiligenberg für europäische Politik und Diplomatie und auch zur Sommerfrische nutzen.

Die Führung endete dort und die meisten Teilnehmer ließen die Exkursion gemeinsam unter den schattenspendenden Bäumen der Café-Terrasse mit Ausblick in die Rheinebene ausklingen.

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