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Kaum Interesse an Erbacher Kommunalpolitik

Nur knapp 100 Erbacher Bürger fanden den Weg zur Bürgerversammlung in der Erbacher Werner-Borchers-Halle.

Dissens zwischen Bürgermeister Dr. Peter Traub und Erbacher Stadtverordneten offenbart + + + Haushalt 2026, Kindertagesstätten, Multifunktionsgebäude, Südstadthotel und Touristik-Information waren Themen der Bürgerversammlung

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ERBACH. – Das Interesse an kommunalpolitischen Sachthemen ist in Erbach offenkundig recht überschaubar. Gerade einmal knapp 100 Bewohner der Odenwälder Kreisstadt fanden in der vergangenen Woche den Weg zur Bürgerversammlung, zu der Stadtverordnetenvorsteher Antonio Duarte (SPD) in die Werner-Borchers-Halle eingeladen hatte.

Wesentliche Neuigkeiten gab es allerdings auch nicht zu vermelden. So stellten sich zunächst die Fraktionsvorsitzenden Gernot Schwinn (SPD), André Weyrauch (CDU), Gerd Kolmer (Überparteiliche Wählergemeinschaft, ÜWG) und Christa Weyrauch (GRÜNE), der neue Erste Stadtrat Dominik Weyrauch und die weiteren Magistratsmitglieder vor. Die Fraktionschefs präsentierten ihre jeweiligen Besetzungen, wie sie sich nach der Kommunalwahl im Frühjahr dieses Jahres für das Stadtparlament ergeben haben.

Den am 25. Juni dieses Jahres beschlossenen, von der Aufsichtsbehörde allerdings noch nicht genehmigten, weil zumindest bis 20. August von Bürgermeister Dr. Peter Traub dem Regierungspräsidium noch nicht vorgelegten Haushalt 2026, erläuterte Duarte in groben Zügen.

Dabei verwies er vor allem auf die gegenüber dem Magistratsentwurf von den Stadtverordneten von vorgesehenen 850 um 200 auf 650 Hebesatzpunkte gesenkte Grundsteuer B, „um die Bürger nicht über Gebühr zu belasten“. Diese Maßnahme ist unmittelbar verknüpft mit rund 1,1 Millionen weniger Einnahmen aus der Grundsteuer B.

„Wir tun uns schwer, wenn es darum geht, die Bürger zu belasten“, erläuterte der Stadtverordnetenvorsteher für die breite Mehrheit der Parlamentarier, die diesen geringeren Hebesatz mitgetragen hatte. Er gehe dennoch davon aus, sagte Duarte, „dass der Haushalt genehmigungsfähig ist“.

Der Erbacher Stadtverordnetenvorsteher Antonio Duarte betonte, man habe den Hebesatz der Grundsteuer B nur moderat angehoben „um die Bürger nicht über Gebühr zu belasten“. Fotos: er

Kindertagesstätten, Multifunktionsgebäude, Südstadthotel und Touristik-Information im Fokus

Weitere Themen waren neben der Bereitstellung von zusätzlichen Betreuungsplätzen in Erbacher Kindertagesstätten samt der entsprechend geplanten Maßnahmen analog der aktuellen Geburtenzahlen, die Errichtung eines Multifunktionsgebäudes im Erbacher Sportpark, die seit 2020 „never ending Story“ rund um ein angedachtes Hotel in der Südstadt, sowie die von Bürgermeister Traub angekündigte Schließung der Touristik-Information inklusive des damit verbundenen >Odenwald-Ladens< mit Produkten aus heimischen Betrieben im alten Rathaus am Marktplatz.

Die angekündigte Schließung dieser zentralen Anlaufstelle für Touristen war es auch, die die Gemüter erregte. So hatte auch der Erbacher Gewerbeverein im Vorfeld der Bürgerversammlung offensiv mit Flyern dafür geworben „die Touristik-Information zu erhalten“.

„Die Touristik-Information ist mehr als eine Anlaufstelle für Gäste. Sie schafft Verbindungen zu Gastronomie, Handel, Dienstleistungen und touristischen Angeboten und ist damit ein wichtiger Baustein für Erbach. Mitdenken, Mitreden, Mitgestalten“, fordert der Gewerbeverein auf, sich den Plänen des Kreisstadtbürgermeisters zur Schließung der Touristik-Information zu widersetzen, denn „Erbach ist offen für Gäste“, betont der Gewerbeverein.

„Das gibt es nur in Hessen, ansonsten in keinem anderen Bundesland“

Das sei ein sensibles Thema befand Bürgermeister Peter Traub und verwies auf „unterschiedliche Meinungen zwischen Bürgermeister und dem Stadtparlament“. Aktuell bemühe man sich „aufeinander zuzugehen“. Allerdings sei ein möglicher „gemeinsamer Nenner ein zartes Pflänzchen“, das natürlich auch mit der Haushaltssituation in Zusammenhang stehe.

Aber diese Angelegenheit „verursacht mir einen dicken Hals“, befand der Rathauschef, der in diesem Kontext auch beklagte, dass er als Bürgermeister aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen in Hessen keine Stimme in der Stadtverordnetenversammlung hat. „Das gibt es nur in Hessen, ansonsten in keinem anderen Bundesland“, sagte Traub.

Klage des Bürgermeisters auch über Stellen-Sperrvermerk: „Das gibt’s nur in Erbach“

Und er beklagte weiter, dass bei freiwerdenden Stellen ein Sperrvermerk drauf liege, der nur vom Stadtparlament freigegeben werden kann. „Das gibt’s nur in Erbach“, machte Traub seinem Unmut auch dazu Luft. Es seien alle gehalten, einen genehmigungsfähigen Haushalt vorzulegen und wenn  man die Stadtgesellschaft weniger belasten wolle, müsse man andererseits etwas wegnehmen an freiwilligen Leistungen. Das sei eben eine politische Abwägung.

Antonio Duarte entgegnete,  man wolle sehr wohl, „dass Gäste nach Erbach kommen und dazu ist eine gute Betreuung erforderlich“. Auch habe kein Stadtverordneter die Schließung der Touristik-Information beschlossen. Hier sei auch Effizienz in den Abläufen gefragt, betonte er mit Blick auf die Einsetzung des vorhandenen Personals.

Das Stadtparlament sei sich der Situation bewusst und werde sich mit der Angelegenheit beschäftigen (Anm. d. Redaktion: zwischenzeitlich haben die Mandatsträger parteiübergreifen einen gemeinsamen Antrag an den Magistrat zur Erarbeitung einer Tourismusstrategie bis 2035 – und zunächst einer Übergangslösung für die Tourist-Information eingereicht, siehe FAKT-Bericht unter: https://fakt-in.de/2026/08/28/erbachs-tourismus-braucht-eine-klare-strategie/).

„Freiwillige Leistung Multifunktionsgebäude“ in den Haushalt 2027 geschoben

Eine weitere freiwillige Leistung ist die Errichtung eines Multifunktionsgebäudes im Sportpark. Nachdem die ehemalige Heimstätte des FC Erbach, die seit der FC-Vereinsauflösung bis dato vom FSV Erbach genutzt wird, in die Jahre gekommen ist, sei eine „Sanierung nicht zeitgemäß“, so der Bürgermeister.

Die vorläufig ermittelten Kosten für einen Neubau belaufen sich auf 2,5 Millionen Euro. Diese seien im laufenden Haushalt 2026 – ungeachtet der noch nicht erfolgten Genehmigung dessen – nicht darstellbar, weshalb man diese Maßnahme in den Haushalt 2027 geschoben habe. „Wir wollen dieses Gebäude, aber es muss finanzierbar sein“ sagte Antonio Duarte.

Peter Traub: „Soweit waren wir noch nie an einem Hotel – ob es kommt, kann ich nicht sagen“

Wie nicht anders zu erwarten, nahm auch das seit 2020 kursierende ominöse Hotelprojekt auf dem Gelände des ehemaligen Einrichtungshauses Schmidt in der Erbacher Südstadt einmal mehr Platz ein in der aktuellen Bürgerversammlung. Und wie so oft wiederholte auch Dr. Peter Traub einmal mehr seinen Standardsatz: „Soweit waren wir noch nie an einem Hotel, ob es kommt, kann ich nicht sagen.“

Zwar sei einer der beiden im Februar 2025 vorgestellten Betreiber-Interessenten inzwischen abgesprungen, der zweite aber sei noch interessiert und würde sofort loslegen, sofern ein ebenfalls vorhandener Investor grünes Licht geben würde.

Er sei im ständigen Austausch mit „diesem potenten Investor“, der im vergangenen Jahr zunächst ein Großprojekt in Darmstadt habe abschließen müssen und derzeit noch mit einem weiteren Projekt – ebenfalls in Erbach – „mit dem er es zusammenbringen will“ beschäftigt sei. Geduld sei gefragt, denn ein Hotel sei nötig, und ein solches würde die Entwicklung der Stadt „immer noch befördern“, sagte Traub.

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