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Mehrfach abgespecktes Südstadtprojekt in Erbach jetzt vor dem endgültigem Aus

Die Geduld der Erbacher Mandatsträger mit dem von Bürgermeister Dr. Peter Traub seit sechs Jahren gewünschten Erbacher Südstadtprojekt, das zuletzt auf ein noch immer anspruchsvolles 100-Zimmer-Hotel geschrumpft war, hat ein vorläufiges Ende gefunden: Einstimmig beauftragten die Stadtverordneten den Magistrat, jetzt einen Investor für ein Wohnprojekt auf gleichem Areal zu suchen

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ERBACH. – Das 2020 vom Erbacher Bürgermeister Dr. Peter Traub aufgelegte sogenannte Erbacher Südstadtprojekt steht nach gut sechs Jahren vor dem endgültigen Aus. Das höchst ambitionierte Gesamtprojekt am südwestlichen Rand der Erbacher Innenstadt war zwischenzeitlich nach teils haarsträubenden Managementfehlern bereits deutlich abgespeckt worden und zuletzt auf ein allerdings noch immer anspruchsvolles Hotel mit 100 Zimmern zusammengeschmolzen.

Doch auch das soll nach einer „Gnadenfrist“ bis ein neuer Investor für ein Wohnprojekt gefunden ist, Platz machen für dringend benötigten Wohnraum in der Odenwälder Kreisstadt. Das jedenfalls beschlossen die Erbacher Stadtverordneten in ihrer jüngsten Sitzung auf Antrag der Fraktion der Überparteilichen Wählergemeinschaft (ÜWG) einstimmig.

So wurde dem ÜWG-Antrag zur Änderung des Bebauungsplans >Südstadt – Neue Lustgartenstraße< mit Aufhebung der Sondernutzung >Hotel< und Umwandlung in Wohngebiet nach zuvor bereits im Bauausschuss modifizierter Form und einer Beschlussempfehlung von 6:0 auch im Stadtparlament ohne Gegenstimme entsprochen.

Peter Traubs Überzeugung: „Wir waren noch nie so nah dran, an einem Hotel, wie aktuell“

Noch in der Bürgerversammlung vor Monatsfrist skandierte der Bürgermeister seinen seit Jahren zum Lieblingsspruch erwachsenen Satz „Wir waren noch nie so nah dran, an einem Hotel, wie aktuell.“ Ob es jedoch komme, könne er nicht sagen, schränkte Traub allerdings auch da einmal mehr ein.

Auch wenn einer der beiden im Februar 2025 vorgestellten Betreiber-Interessenten inzwischen abgesprungen sei, bleibe der zweite aber noch interessiert und würde sofort loslegen, sofern ein ebenfalls vorhandener Investor grünes Licht geben würde.

„Im ständigen Austausch mit einem Investor“

Er sei nach wie vor im ständigen Austausch mit einem solchen Investor, der allerdings seit dem vergangenen Jahr zunächst andere eigene Großprojekte abzuwickeln habe und sich erst anschließend mit dem Erbacher Hotelprojekt beschäftigen könne, verkündete Traub in der Bürgerversammlung.

Geduld sei deshalb weiter gefragt, denn ein Hotel sei nötig, und ein solches würde die Entwicklung der Stadt „immer noch befördern“ , spielte der Bürgermeister Mitte August dieses Jahres einmal mehr auf Zeit (siehe FAKT-Bericht unter: https://fakt-in.de/2026/08/31/kaum-interesse-an-erbacher-kommunalpolitik/).

Geduld der Mandatsträger nunmehr überstrapaziert

Doch gerade diese Geduld der Mandatsträger in der Odenwälder Kreisstadt war nunmehr offensichtlich überstrapaziert. Zu lange zog sich das bereits seit 2018 in Erbach auf der Agenda stehende Projekt schon hin. Seit dieser Zeit wurde intensiv in allen städtischen Gremien beraten über die Verwendung des von der Stadt für rund 1,1 Millionen Euro samt Nebenkosten gekaufte Areal des ehemaligen Möbelhauses Schmidt.

2020 präsentierte der Bürgermeister dann das erwähnte Erbacher Südstadtprojekt, ursprünglich mit 100-Zimmer-Hotel, Ärztehaus, Boardinghaus und Parkdeck für mindestens 100 Fahrzeuge.

Ein Headhunter aus dem Allgäu wurde bemüht und mit stattlicher Summe aus Steuergeldern ausgestattet, um die hochtrabenden Pläne des Bürgermeisters auf einem weitläufigen Areal mit unterschiedlichen Eigentümern über Investoren umzusetzen. Doch fanden sich weder Investoren noch Betreiber für ein Hotel und auch nicht für Ärzte- und Boardinghaus oder dem anspruchsvollen Parkdeck gab es Investoreninteressenten.

Mit Berliner Grundstückseigentümern viel zu spät gesprochen  – „Mondpreise“ waren die Folge

Hinzu kam, dass mit Berliner Eigentümern eines nicht unerheblichen Teils der für das Gesamtprojekt erforderlichen Grundstücksfläche viel zu spät gesprochen wurde und diese dann „Mondpreise“ aufriefen, wie der Bürgermeister damals sagte.

Flugs wurden Boardinghaus und Parkdeck aus dem Gesamtplan gestrichen, während Hotel und Ärztehaus noch immer im Fokus des Rathauschefs blieben. Weil sich aber auch dafür keine Investoren fanden, präsentierte Bürgermeister Dr. Peter Traub dann plötzlich den Headhunter selbst als Investor.

Ende der „Geschäftsbeziehung“ mit vermögenslosem, in bescheidenen Verhältnissen lebenden Rentner

Das Ende dieser „Geschäftsbeziehung“ mit dem vom Rathauschef hochgelobten „Investor“ erfolgte zu Jahresbeginn 2024 als dieser sich selbst als „vermögensloser Rentner, der in bescheidenen Verhältnissen lebt“ outete. Vorbei schien also zunächst der Traum vom Erbacher Südstadtprojekt rund um ein 100-Betten-Hotel.

Peter Traub wollte ein solches Ende seines anspruchsvollen Projekts indes noch längst nicht akzeptieren und hielt und hält stattdessen zumindest noch immer an dem inzwischen für viele Erbacher zum Albtraum mutierten Hotelprojekt fest.

Im Februar 2025 präsentierte der Rathauschef zwei Betreiber-Interessenten mit durchaus nachvollziehbaren Konzepten. Alleine es fehlte ein Investor. Dieser sollte – so Traub damals – bis Ostern 2025 präsentiert werden.

Allerdings konnte weder zu Ostern 2025 noch zum jüngsten Fest der Auferstehung Jesu Christi 2026 ein Hotel-Investor vom Bürgermeister präsentiert werden. Lediglich Durchhalteparolen waren von Bürgermeister Traub zu vernehmen, nachdem zwischenzeitlich längst auch das Teilprojekt Ärztehaus analog dem zuvor bereits gecancelten Boardinghaus wie dem Parkdeck eingestampft worden war.

Kein weiterer Zeitaufschub mehr für ein imaginäres Hotelprojekt

Auch in der jüngsten Sitzung der Stadtverordneten versuchte Peter Traub noch ein letztes Zeitfenster bis Jahresende 2026 für das anspruchsvolle 100-Betten-Hotelprojekt zu gewinnen und den Prüfauftrag zur Gewinnung eines Investors für ein Wohnprojekt solange auszusetzen. „Sollte dies nicht gelingen, gehe ich diesen Weg mit“, sagte Traub.

Dem setzten die Mandatsträger jedoch ein einstimmiges Votum entgegen und wollen stattdessen eine zeitnahe Lösung für die Schaffung von in Erbach dringend benötigtem Wohnraum statt einem seit sechs Jahren imaginären Hotelprojekt. Dies nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund des zum Jahresende auslaufenden Kreditvertrages, über den die Stadt den Kauf des rund 1,1 Millionen teuren Areals finanziert hat.

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