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…allein mir fehlt der Glaube

Das Neumarkt-Center in Bensheim soll nach Jahren der Bedeutungslosigkeit mal wieder aufgepeppt werden. Dazu hat ein offiziell noch streng geheimer Investor entsprechende Pläne vorgelegt und die Stadtverordneten haben trotz erheblicher Zweifel am Erfolg jetzt dem Magistrat das Plazet erteilt mit dem zumindest namentlich gar nicht so geheimen Investor weiter verhandeln zu dürfen. Foto: Pressedienst Bensheim

Der Kampf um das Bensheimer Neumarkt-Center

Bernhardt M. Riedle

BENSHEIM. – Zwischen Hoffen und Bangen. Es gibt wieder mal einen Investor für das Neumarkt-Center. Alles noch streng geheim. Offiziell. Aber egal, welches Parteibuch die Bensheimer Stadtverordneten haben – die Chance zur rettenden Operation für das endliche Ende des „Schandflecks” mitten im Herz der Bergstraße sehen sie alle. Es klingt ja auch sehr verlockend: Lebensmittelmarkt. Drogerie. Und Kultur. Nahversorgung, alles unter einem Dach. Doch Zweifel bleiben quer durch alle Fraktionen.

Donnerstag. Dorfgemeinschaftshaus Zell (DGH). Unweit des legendären Weinlokals Götzinger. Christine Deppert, ihres Zeichens Vorsteherin der Stadtverordnetenversammlung, weist ihre Kollegen auf die Vertraulichkeit hin. Mahnend. Die Öffentlichkeit, das sind Besucher, darunter auch der kommende Bürgermeister Harry Hegenbarth, und die Beobachter am Pressetisch, wird also nicht ausgeschlossen.

Es geht um einen Grundsatzbeschluss, wie es in der Amtssprache der Tagesordnung heißt. Neumarkt-Center und Tiefgarage Beauner Platz. Die Stadtverordneten sollen den Magistrat ermächtigen, mit dem Investor, dessen Name die Bürger noch nicht erfahren dürfen, weiter zu verhandeln.

Die Hoffnung stirbt auch in Bensheim zuletzt. Doch das gebrannte Kind scheut das Feuer. So gibt Dr. Julia Hamm, die erste Rednerin, ihrer sechsköpfigen SPD-Fraktion die Abstimmung ausdrücklich frei. Sie ist in großer Sorge, in „die Abhängigkeit eines Investoren zu geraten”, wie sie sagt. Einen Schnellschuss dürfe es auf keinen Fall geben. Hamm kündigt an, dem Ansinnen der Verwaltung zuzustimmen. Sie sieht die Chance. Alle offenen Fragen indes müssten behandelt werden. „Wenn dort wieder Licht brennt”, so die Fraktionsvorsitzende, sei alles gut.

Das Ende des Tunnels? Daran denken die Journalisten am – akustisch schlecht platzierten – Pressetisch. Vom Licht am Eingangstor zur Stadt spricht auch Bernhard Stenger, Chef der 16 Christdemokraten. Doch welche Optionen hat die Stadt, welche Rolle spielt die Stadt, fragt der CDU-Mann sich und die Versammlung. Es handelt sich um Privatbesitz, wie er in Erinnerung ruft. Der Fraktionschef wörtlich: „Die Stadt hat das Steuerrad nicht in der Hand”. Man dürfe aber die Chance nicht verstreichen lassen und müsse vor allem auch die Frage der nicht genutzten überwiegend städtischen Tiefgarage klären. „In der Hoffnung”, dass es funktioniert.

Auch für Doris Sterzelmaier, die für ihre neun Kollegen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN spricht, „gibt es Hoffnung beim Neumarkt-Center”, dem Schandfleck, wie sie sagt. Seit einem Jahr nun führe die Verwaltung mit dem Investor Gespräche. Ein Lebensmittelangebot vor Ort und ein innerstädtischer Drogeriemarkt seien für die Stadt in dieser Lage eine gewünschte Bereicherung. Auch Sterzelmaier weist auf die Notwendigkeit einer Lösung der Tiefgaragen-Frage hin.

Mit den Bürgern für Bensheim (BFB) hält Dr. Faust Einzug  ins Zeller Dorfgemeinschaftshaus. Leicht abgewandelt, fügt Marion Machalowski in ihrer von der „Sitzungspräsidentin” hochgelobten Jungfernrede all den Bildern vom Licht, dem Steuerrad, der zuletzt sterbenden Hoffnung und dem Tunnel keinen Geringeren als Goethe hinzu.

Sie hat die Botschaft gehört, „allein der Glaube daran fällt mir schwer”, bringt sie die allgemeine Skepsis im Stadtparlament auf den Punkt. „Es ist nicht das erste Mal, dass ein Investor mit vollmundigen Ankündigungen in Gespräche mit der Verwaltung einsteigt”, weist sie auf die leidvollen Erfahrungen hin.

Machalowski spricht von einem der größten Schandflecke in der Innenstadt, und hat so ihre Sorge, wenn der Investor „den heruntergekommenen Gebäudekomplex samt Tiefgarage vom insolventen derzeitigen Eigentümer erwerben” will. Doch wie viel Vertrauen dürften die vier Fraktionsmitglieder und das gesamte Gremium diesmal in die Absichten des neuen Investors setzen?

Die BfB-Frau ist sich auch nicht sicher, wie viel Vertrauen sie und ihre Kollegen aus allen Fraktionen in die städtischen Zusagen an einen Investor setzen können. „Denn bekanntlich”, sagt sie, „wurden solche, die Erstellung eines Bebauungsplans nach seinen Vorstellungen an den inzwischen insolventen Investor zuletzt im Jahr 2022, ja auch nicht eingehalten”.

Auch für Machalowski erfordert die „zwingend erforderliche”, endlich wieder geöffnete Tiefgarage besondere Aufmerksamkeit. Sollte das gesamte Vorhaben erneut scheitern, warnt sie, würde „uns das weitere Jahre einen unansehnlichen Gebäudekomplex mitten in der Stadt bescheren”. Trotz aller Bedenken signalisiert die Stadtverordnete für die Bürger für Bensheim die Bereitschaft, der Verwaltung grünes Licht zu weiteren Gesprächen mit dem Kaufinteressenten zu geben.

Musikschule und Stadtbibliothek im Neumarktcenter. Ein Traum. So sehen es die drei Damen von VOLT, für die Sabine Riede spricht. Es wäre ein Traum, legt sie ihren Schwerpunkt auf die Kultur im Center. Das Wörtchen „wäre” ist die Einschränkung, denn: „Auch wir haben Zweifel”. Und da ist sie dann, die Hoffnung, die zuletzt stirbt.

Auch hier, wie bei allen Reden der Zweifler, gibt es reihum zustimmendes Nicken. Von einem „schlichten, aber machbaren Entwurf” redet Thorsten Eschborn für das FDP-Trio. Ja zum Grundsatzbeschluss. Und der Liberale fügt zu all den Bildern an diesem Abend im Zeller DGH-November ein weiteres hinzu: „Kein Luftschloss, aber leider auch kein Traumschloss”. Auch Eschborn weist auf die dringende Notwendigkeit der Tiefgaragen-Öffnung hin.

„Ein neues Konzept soll es richten. Es wird Zeit”, so Peter Leisemann für das ebenfalls dreiköpfige FWG-Team. Für ihn sieht das Ganze nach einem tragfähigen Konzept aus, wenn „die Stadt Bensheim als Mieter mit der Bibliothek und der Musikschule mit einsteigt”.

Es scheint alles gesagt. Der Rat kommt zum Urteil über das Ansinnen der Verwaltung. Der Grundsatzbeschluss zwischen Hoffen und Bangen steht. 39 sind dafür. Zwei dagegen. Und es gibt eine Enthaltung. Wie viele Zweifler im Kampf um das Neumarkt-Center in der zuletzt sterbenden Hoffnung und dem fehlenden Glauben danach zum nahegelegenen Götzinger gegangen sind, darüber schweigt die FAKT-Presse, die zur Stunde, Samstag 17 Uhr, exklusiv über die so wichtige Debatte berichtet.

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