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Das Ringelband-Archiv in Bensheim ist ein kultureller Schatz

Bild aus dem Ringelband-Archiv. Foto: Pressedienst Bensheim

Sammlung des Theaterkritikers kehrt ins Stadtarchiv zurück

Pressedienst Bensheim

BENSHEIM. – Tausende von Schauspiel- und Theaterkritiken in Hunderten von Ordnern. Dazu 10.000 Theaterspielpläne und Filmprogramme, dazu Zeitungsausschnitte, Korrespondenzen und Filmplakate: Wilhelm Ringelband war zu Lebzeiten ein Sammler par excellence und sein Haus eine Fundgrube. Nach seinem Tod kurz nach seinem 60. Geburtstag im Jahr 1981 erbte die Stadt sein bedeutendes Archiv – und hat die gesammelten Werke nun wieder im Stadtarchiv in der Alten Post in einem eigenen Raum versammelt.

Nach jahrzehntelanger wechselnder Unterbringung konnte der bedeutende Nachlass des Theater- und Filmpublizisten im Dezember 2025 vollständig in das Stadtarchiv überführt werden. Im Erdgeschoss wurde eigens ein Raum eingerichtet, der ausschließlich der Sammlung gewidmet ist. Damit ist dieser außergewöhnlich wertvolle Bestand nun wieder dauerhaft gesichert und zugänglich.

Doch wie kam Bensheim überhaupt diese Ehre zuteil? Wilhelm Ringelband wurde am 7. Oktober 1921 in Frankfurt am Main geboren und starb am 11. Oktober 1981 in Bensheim. Seit 1944 lebte er in der Jahnstraße 5 in Auerbach.

Ab 1947 war Ringelband als freischaffender Theater- und Filmpublizist tätig und schrieb für viele regionale Zeitungen und Zeitschriften in ganz Deutschland sowie im deutschsprachigen Ausland. Sein journalistisches Wirken, insbesondere im Bereich der Theaterkritik, machte ihn zu einer wichtigen Stimme des deutschen Kulturlebens der Nachkriegszeit.

In seiner Blütezeit schrieb er Theater- und Film-Kritiken für über 50 Zeitungen – auch für den Bergsträßer Anzeiger. Er wurde von Schauspielern wie Hildegard Knef, Inge Meysel, O.W. Fischer und Volker Schlöndorf verehrt und hochgeschätzt.

In seinem Testament verfügte er die dauerhafte Wahrung seines journalistischen Erbes und sicherte diese durch entsprechende finanzielle Mittel ab. Bereits die erste Sichtung des Nachlasses offenbarte dessen außerordentlichen kultur- und theaterhistorischen Wert.

Als Alleinerbin setzte Ringelband zunächst seine Geburtsstadt Frankfurt am Main ein. Nach deren Ablehnung – ebenso wie einer späteren Anfrage bei der Stadt München – wurde schließlich die Stadt Bensheim berücksichtigt. Die vorherigen Ablehnungen standen offenbar im Zusammenhang mit den detaillierten und umfangreichen testamentarischen Bestimmungen, die unter anderem die Errichtung einer Stiftung vorsahen. Die darin formulierten sozialen und kulturellen Zielsetzungen galten als äußerst anspruchsvoll in der Umsetzung.

Der damalige Bensheimer Bürgermeister Georg Stolle bewies Weitblick und ein glückliches Händchen, ließ das Testament auf seine Durchführbarkeit prüfen – und sagte dann zu.

In Erfüllung des kulturellen Teils des Testaments vergibt die Stadt Bensheim gemeinsam mit der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste seit 1986 den renommierten und mit 10.000 Euro dotierten Gertrud-Eysoldt-Ring für hervorragende schauspielerische Leistungen an einer deutschsprachigen Bühne.

Erste Preisträgerin war Doris Schade. Ihr folgten Jahr für Jahr weitere renommierte Schauspieler, darunter Cornelia Froboess, Corinna Harfouch, Ulrich Matthes, Tobias Moretti, Nina Hoss, Klaus Maria Brandauer, Charly Hübner, Lina Beckmann und Sandra Hüller.

Doch was geschah mit den Abertausenden von Dokumenten? Der Nachlass verblieb zunächst im Wohnhaus Ringelbands in der Jahnstraße 5. Nach Annahme des Testaments besichtigten Fachleute der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität die umfangreichen Materialien. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass es sich um einen geeigneten Grundstock für ein damals in Planung befindliches theaterwissenschaftliches Institut handele, und regten eine wissenschaftliche Auswertung und Ordnung der Unterlagen an.

In der Folge wurde das Material auf Beschluss des Magistrats der Stadt Bensheim zunächst auf verschiedene Standorte verteilt, unter anderem in ein Haus in der Nibelungenstraße sowie in Räumlichkeiten des Rodensteiner Hofes. Diese Unterbringungen erwiesen sich jedoch als nicht dauerhaft nutzbar.

Im Jahr 1989 wurde der vollständige Nachlass in das Dachgeschoss der Rodensteinschule verlagert. Da für diese Räume jedoch weder eine statische noch eine brandschutztechnische Prüfung vorlag, musste das Archiv erneut umziehen. Schließlich wurde der Bestand im Jahr 2015 in Lagerräume des Telekom-Gebäudes in der Fehlheimer Straße verbracht und dort in insgesamt 161 Kartons eingelagert. Seit diesem Zeitpunkt war der Nachlass weder für die Mitarbeitenden des Stadtarchivs noch für Nutzer zugänglich.

Ein wichtiger Schritt in der Erschließung des Archivs erfolgte bereits in den 1980er-Jahren: 1983 erhielt Carsten Niemann von der Ringelband-Stiftung der Stadt Bensheim ein Stipendium zur systematischen Erschließung der Materialien. Bis 1992 erarbeitete er ein Verzeichnis der Sammlung Gertrud Eysoldt aus dem Ringelband-Nachlass sowie ein gesondertes Verzeichnis der Sammlung des Theaterkritikers Wilhelm Ringelband.

Darüber hinaus legte er im November 1988 seine Magisterarbeit an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt mit dem Titel „Wilhelm Ringelband – Porträt eines Theater- und Filmpublizisten in der Provinz“ vor.

„Der Nachlass Wilhelm Ringelbands stellt einen außergewöhnlich wertvollen Bestand dar. Mit der nun erfolgten Unterbringung in unseren Räumen sind diese einzigartigen Zeugnisse deutscher Theater- und Kulturgeschichte dauerhaft gesichert“, betont Archivleiterin Claudia Sosniak.

Gut sortiert befinden sich nun etliche Zeitungsartikel über Schauspieler, Manuskripte von Kritiken mit handschriftlichen Anmerkungen Ringelbands, eine Vielzahl von Theaterzeitschriften sowie umfangreiche weitere Materialien zu Theater und Film dort, wo sie hingehören: im Gedächtnis der Stadt.

Sowohl für die lokale Stadtgeschichte als auch für die überregionale Theater- und Kulturwissenschaft sind die Erinnerungen an den akribischen Sammler und exzellenten Kenner der deutschen Theaterszene von großer Bedeutung.

Für seine Verdienste sollte Wilhelm Ringelband mit der Ehrenplakette der Stadt Bensheim ausgezeichnet werden. Die Ehrung kam jedoch nicht mehr zustande. Kurz nach seinem 60. Geburtstag starb der „Vater des Eysoldt-Rings“ nach schwerer Krankheit.

Aufnahme Jahnstraße. Carsten Niemann

Porträt von Wilhelm Ringelband. Pressedienst Stadtarchiv Bensheim

Bild aus dem Ringelband-Archiv. Foto: Pressedienst Bensheim

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