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Bensheimer GRÜNE sehen Hospizarbeit als Gemeinschaftsaufgabe einer mitfühlenden Stadt

Pressedienst GRÜNE Bensheim 

BENSHEIM. – Im Rahmen ihres Fraktionssommerprogramms haben die Bensheimer GRÜNEN den Hospiz-Verein Bergstraße besucht. Bewusst war der Treffpunkt der Seminarraum des Vereins in der Stadtmitte – auch um die ambulante Hospizbegleitung stärker in den Blick zu rücken, die im öffentlichen Bewusstsein im Vergleich zum stationären Hospiz manchmal zu kurz kommt.

Christine Palten, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Einrichtungen von Hospiz Bergstraße und zugleich Mitglied der GRÜNEN-Fraktion in der Bensheimer Stadtverordnetenversammlung, stellte die Angebote vor: Beratung zu schwerer Erkrankung, Sterbebegleitung zu Hause, im Krankenhaus, im Pflegeheim oder in der Eingliederungshilfe – bei Bedarf unterstützt durch das SAPV-Team -, Betreuung im stationären Hospiz sowie Trauerbegleitung für Erwachsene, Kinder und Jugendliche.

Ergänzt werden die Angebote durch die Bildungsarbeit der Hospiz-Akademie. Die Grünen zeigten sich beeindruckt von der umfassenden Versorgung, die von einem Team aus insgesamt 150 Ehrenamtlichen und 50 hauptsächlich in Teilzeit tätigen Hauptamtlichen in Hospiz-Verein und stationärem Hospiz bereitgestellt wird.

In der Folge entwickelten sich unter der Moderation von Swantje Goebel, Vorständin des Hospiz-Vereins und studierte Soziologin, intensive Gespräche. Unter anderem ging es um Möglichkeiten und Motivation für ehrenamtliches Engagement und stark nachgefragte „Letzte Hilfe Kurse“. Diese vermitteln Laien sowie Fachkräften Wissen über eine gute Versorgung am Lebensende. 

Eine zentrale und für die Zukunft entscheidende Frage warf Fraktionsvorsitzende Doris Sterzelmaier auf: Wie kann angesichts des demographischen Wandels auch künftig eine gute Versorgung von Menschen am Lebensende sichergestellt werden? Goebel bestätigte, dass die Alterspyramide die Gesellschaft vor unausweichliche Herausforderungen stelle.

Einer aktuellen Studie zufolge steigt innerhalb der kommenden vierzehn Jahre der Bedarf an Plätzen in stationären Hospizen um mehr als zehn Prozent. Zusätzliche Kapazitäten wären aber auch in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern erforderlich, bei gleichzeitig zunehmendem Fachkräftemangel.

Am Gespräch nahm auch Stefan Juchems teil, Bürgermeisterkandidat der GRÜNEN. Als studierter Pflegewissenschaftler und ausgebildeter Kinderkrankenpfleger bringt er auch persönliche Erfahrung in der Begleitung am Lebensende mit. Dabei betont er die Bedeutung der Nachbarschaftshilfe in Krisensituationen – es brauche ein tragfähiges Netzwerk, um gestärkt durch belastende Zeiten zu gehen.

Goebel dazu: „Die Hospiz- und Palliativversorgung kann den zukünftigen Bedarf nicht alleine decken. Vielmehr braucht es ein Zusammenspiel von Bürgerschaft, Politik und Institutionen.“ Man war sich einig, dass Begegnungen in der Bevölkerung wichtig sind und Vernetzung nötig ist.

Nach Einschätzung der Gesprächsteilnehmer profitieren Menschen aller Generationen von Möglichkeiten des Austauschs. Christine Palten dazu: „Nur wer sich kennt, kann sich gegenseitig unterstützen. Deshalb braucht es Quartiere, in denen es Raum fürs Kennenlernen und Miteinander gibt.”

Die Stadt solle nach Auffassung der Runde – ähnlich wie es bereits in der Weststadt geschieht – offene Räume einrichten, die von Vereinen und Initiativen für den sozialen Austausch genutzt werden können. Sterzelmaier erinnert daran, dass solche Räume ursprünglich auch bei den Planungen des Eulergeländes vorgesehen waren. Sie wurden jedoch zugunsten von Wohnraum nicht verwirklicht.

Der Appell der Hospizverantwortlichen geht an die Politik: Es sei wünschenswert, dass künftig bei vergleichbaren Projekten solche Räume geschaffen werden. Nach Einschätzung von Goebel ist die Gestaltung von sorgenden Gemeinschaften (Caring Communities) eine zentrale Aufgabe.

Sorge und Unterstützung sollten als gemeinsame Aufgabe von Kommune und Sozialraum verstanden werden, in der nachbarschaftliche Hilfe, freiwilliges Engagement, zivilgesellschaftliche Initiativen und professionelle Dienste ineinandergreifen. Damit Sorge gemeinschaftlich getragen werden kann, brauche es klare Rahmenbedingungen, verlässliche Kooperationen sowie eine Sorgekultur, die Vielfalt und unterschiedliche Lebenslagen konsequent mitdenke.

Ein Beispiel für etablierte Caring Communities sei die Stadt Köln, in der kleinteilige Sorgegemeinschaften entstanden seien. Eine mitfühlende Stadt, so das Fazit der Teilnehmenden, erkennt an: Fürsorge füreinander in Zeiten von Krise und Verlust ist nicht nur eine Aufgabe des Gesundheits- und Sozialwesens, sondern liegt in der Verantwortung aller.

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