Die Protagonisten der neuen SPD-CDU-Koalition im Odenwälder Kreistag: Oliver von Falkenburg, Harald Buschmann, Sandra Funken, Kevin Schmauß (alle CDU), Rekha Krings, Konrad Kißling, Raoul Giebenhain, Rüdiger Holschuh (alle SPD, von links). Foto: Dr. Michael Hüttenberger
Die Vertreter der beiden stärksten Fraktionen im Odenwälder Kreistag sehen sich vor „großen gesellschaftlichen Herausforderungen“ und wollen eine zweite hauptamtliche Kreisbeigeordnetenstelle schaffen
mk-Presse
ODENWALDKREIS / ERBACH. – SPD und CDU im Odenwaldkreis verbindet der gemeinsame Wille, „den Landkreis als lebenswerte, wirtschaftlich starke und sozial gerechte Region weiterzuentwickeln“. Auf der Basis gegenseitigen Respekts, Vertrauens und pragmatischer Zusammenarbeit wollen SPD und CDU ihre Kräfte bündeln, „um Stabilität, Fortschritt und Zusammenhalt für die Menschen im Odenwald zu sichern“.
„Unser gemeinsames Ziel ist es, eine stabile Koalition in der demokratischen Mitte des Kreistages zu bilden, um den großen gesellschaftlichen Herausforderungen im Odenwaldkreis gerecht werden zu können“, heißt es in einem gemeinsamen Statement der beiden stärksten Fraktionen im Odenwaldkreis.
SPD mit 13 Sitzen stärkste, CDU mit 12 Sitzen zweitstärkste Fraktion
Die Wähler haben bei der Kommunalwahl am 15. März dieses Jahres neun Parteien und Wählervereinigungen ihre Stimmen geschenkt. Dabei wurde die SPD mit 25,84% zur stärksten Fraktion im Kreistag des Odenwaldkreises gewählt und mit 13 Sitzen im Kreistag ausgestattet.
Die CDU, auf die 23,53% der Stimmen entfielen, wurde zur zweitstärksten Kraft mit 12 Mandaten. Zu ihr gesellte sich der Abgeordnete der Freien Wähler, sodass, die Christdemokraten ebenfalls über 13 Mandate verfügen.
Auf die AfD entfallen 9 Sitze, der ÜWG wurden 6 Sitze zuteil, Bündnis 90 / Die Grünen erhielten 5, DIE LINKE 2 und die ZBK ebenfalls 2 Sitze während die Freien Demokraten ein Sitz bekamen. Mit zusammen 26 Sitzen verfügen somit SPD und CDU über eine knappe Einstimmen-Mehrheit im Kreistag des Odenwaldkreises.
„Ebenso harte, wie faire und konstruktive Verhandlungen“
Bei ebenso harten, wie fairen und konstruktiven Verhandlungen habe man gemeinsame Leitlinien in den Bereichen Wirtschaft, Infrastruktur und Mobilität, Arbeit und Soziales, Gesundheit und Pflege, Bildung und Jugend, Umwelt und Klimaschutz sowie Regionalentwicklung und Finanzen fixiert, berichteten die Parteivorsitzenden Rekha Krings, Konrad Kißling (beide SPD) und Kevin Schmauß (CDU).
Diese Vereinbarungen haben ihre Wurzeln in einem Bericht von Landrat Frank Matiaske, den dieser zur aktuellen Lage des Odenwaldkreises vorgelegt hatte (siehe dazu gesonderten FAKT-Bericht unter: https://fakt-in.de/2026/04/14/landrat-gibt-zur-neuen-legislaturperiode-bericht-zur-lage-im-odenwaldkreis/).
„Weitere hauptamtliche Beigeordnetenstelle schaffen“
Aufgrund dieser Herausforderungen wolle man neben der Stelle des Ersten Kreisbeigeordneten von Oliver Grobeis (SPD) eine weitere hauptamtliche Beigeordnetenstelle schaffen. Diese soll dem CDU-Kreisvorsitzenden Kevin Schmauß mit dem Tätigkeitsschwerpunkt Wirtschaftsförderung übertragen werden.
Die finanziellen Mittel für diese Position sind nach Darstellung der Koalitionäre vorhanden, nachdem jüngst durch die Restrukturierung der Odenwald-Regionalgesellschaft (OREG) nicht zuletzt eine Geschäftsführerstelle eingespart wurde.
Hauptsatzung soll geändert, Kevin Schmauß am 22. Juni in Reichelsheim gewählt werden
Für die neue hauptamtliche Beigeordnetenstelle bedarf es einer Änderung der Hauptsatzung. Diese soll zeitgleich zur konstituierenden Sitzung des Kreistags am 27. April in Erbach erfolgen. Verständigt haben sich die Koalitionspartner weiter, dass der SPD-Landtagsabgeordnete Rüdiger Holschuh weiter Kreistagsvorsitzender bleiben wird.
Dessen christdemokratische Landtagskollegin Sandra Funken (CDU) soll dessen Stellvertreterin werden. Kevin Schmauß soll bei der Kreistagssitzung am 22. Juni in Reichelsheim zum hauptamtlichen Beigeordneten gewählt werden.

Kevin Schmauß (CDU) soll neuer zweiter hauptamtlicher Kreisbeigeordneter im Odenwaldkreis werden. Foto: Pressedienst CDU Odenwaldkreis
Die programmatischen Leitlinien aus den Vereinbarungen der künftigen SPD/CDU-Kreiskoalitionäre
>1. Wirtschaft, Infrastruktur und Mobilität
Eine starke und zukunftsfähige Wirtschaft bildet die Grundlage für Wohlstand, Beschäftigung und Lebensqualität im Odenwaldkreis. SPD und CDU bekennen sich gemeinsam zu einer aktiven Strukturpolitik, die insbesondere den Mittelstand, das Handwerk sowie die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe stärkt. Ziel ist es, die Existenz bestehender Unternehmen zu sichern, Neuansiedlungen zu fördern und die regionale Wertschöpfung nachhaltig auszubauen.
Der Odenwaldkreis soll ein attraktiver Standort für Unternehmen und Beschäftigte bleiben und weiterentwickelt werden. Eine starke regionale Wirtschaft ist Grundlage für Beschäftigung, Wertschöpfung und Lebensqualität.
Der Landkreis wird seine Wirtschaftsförderung gezielt stärken, Verfahren vereinfachen und als verlässlicher Ansprechpartner für Unternehmen auftreten. Genehmigungsprozesse sollen nachvollziehbar und zügig gestaltet werden.
Wir wollen die Entwicklung von Gewerbeflächen strategisch und interkommunal koordinieren, um Flächen effizient zu nutzen und gleichzeitig den Flächenverbrauch zu begrenzen. Dabei setzen wir auf eine enge Abstimmung mit den Städten und Gemeinden sowie auf transparente Planungsprozesse.
Der Tourismus muss künftig enger mit der Wirtschaftsförderung des Kreises verzahnt werden. Nur so können wir Angebote gezielt stärken und touristische Betriebe besser unterstützen – zum Nutzen unserer Gäste, vor allem aber der Menschen im Odenwald. Jedes einzelne Gasthaus bedeutet Lebensquailtät.
Die digitale Infrastruktur ist ein entscheidender Standortfaktor. Deshalb werden wir den flächendeckenden Ausbau von Glasfaseranschlüssen konsequent vorantreiben und die Digitalisierung der Verwaltung weiterentwickeln, um Bürgern sowie Unternehmen moderne und unkomplizierte Dienstleistungen anbieten zu können.
Im Bereich Mobilität verfolgen wir einen ausgewogenen Ansatz, der sowohl individuelle als auch öffentliche Mobilitätsformen berücksichtigt und deshalb Straße und Schiene gleichermaßen in den Blick nimmt. Eine verlässliche Mobilität ist Voraussetzung für Teilhabe, wirtschaftliche Entwicklung und Lebensqualität im ländlichen Raum.
Der öffentliche Personennahverkehr soll insbesondere im ländlichen Raum verlässlicher, flexibler und besser vernetzt werden. Ergänzend dazu wollen wir den Ausbau von Radwegen sowie innovativen Mobilitätsangeboten wie On-Demand-Verkehren unterstützen. Zudem soll die Barrierefreiheit im gesamten Verkehrsnetz schrittweise verbessert werden.
Gleichzeitig bleibt die individuelle Mobilität ein zentraler Bestandteil der Lebensrealität im Odenwaldkreis, weshalb wir uns für die Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur einsetzen und den Ausbau und Erhalt unserer Straßen vorantreiben. Darüber hinaus setzt sich der Landkreis auf übergeordneter Ebene für eine Verbesserung der Schienenverbindungen sowie der zentralen Verkehrsachsen ein.
2. Arbeit und Soziales
Der soziale Zusammenhalt im Odenwaldkreis ist eine tragende Säule unseres Gemeinwesens und eine zentrale Grundlage für Lebensqualität und Stabilität. SPD und CDU setzen sich gemeinsam für gute Lebensbedingungen und faire Chancen für alle Generationen ein.
Unser Ziel ist es, wohnortnahe Arbeitsplätze zu sichern und neue Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen. Dabei kommt der Fachkräftesicherung eine besondere Bedeutung zu. Wir wollen Unternehmen dabei unterstützen, Ausbildungsplätze anzubieten und Fachkräfte in der Region zu halten und auch deren Ausbildungsmöglichkeiten zu sichern und zu erweitern.
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für uns ein zentrales Anliegen. Deshalb werden wir familienfreundliche Strukturen weiter ausbauen und insbesondere die Kinderbetreuung mit unseren Kommunen bedarfsgerecht weiterentwickeln.
Gleichzeitig setzen wir uns für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum ein, um insbesondere Familien, Auszubildenden und auch älteren Menschen ein attraktives Leben im Odenwaldkreis zu ermöglichen.
Die sozialen Hilfesysteme werden wir verlässlich sichern und dort weiterentwickeln, wo sich neue Bedarfe ergeben. Unser besonderes Augenmerk gilt dabei der Unterstützung älterer Menschen, der Förderung von Kindern und Jugendlichen sowie der gesellschaftlichen Teilhabe aller Bevölkerungsgruppen.
Integration und Inklusion sind gesamtgesellschaftliche Aufgaben, die wir aktiv gestalten wollen. Dabei stellen wir uns hinter diejenigen, die Hilfe dringend benötigen, und ergreifen gleichzeitig Maßnahmen, um den Missbrauch unserer Sicherungssysteme zu unterbinden. Auf Bundesebene wollen wir uns für stabile und verlässliche soziale Rahmenbedingungen einsetzen.
3. Gesundheit und Pflege
Eine wohnortnahe, qualitativ hochwertige medizinische Versorgung ist ein zentraler Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge. SPD und CDU bekennen sich ausdrücklich zur Sicherung und Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung im Odenwaldkreis. Allem voran steht eine Vernetzung mit allen relevanten Akteuren, um gemeinsam den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen.
Unser Gesundheitszentrum Odenwaldkreis (GZO), muss mit seinem breiten Leistungsspektrum erhalten und zukunftsfest aufgestellt werden. Dabei werden wir uns dafür einsetzen, dass medizinische Angebote weiterentwickelt und an neue Anforderungen angepasst werden.
Die haus- und fachärztliche Versorgung im ländlichen Raum steht vor besonderen Herausforderungen. Wir sprechen uns für Versorgungsmodelle wie Medizinische Versorgungszentren aus und wollen als Kreis eigene Anreize schaffen, damit sich Ärzte im Odenwaldkreis niederlassen.
Gleichzeitig setzen wir uns auf höheren Ebenen für bessere Arbeitsbedingungen für Beschäftigte im Gesundheits- und Pflegebereich ein, da diese eine unverzichtbare Rolle für unsere Gesellschaft leisten.
4. Bildung, Kinderbetreuung und Jugend
Bildung und gute Rahmenbedingungen für junge Menschen sind zentrale Voraussetzungen für die Zukunftsfähigkeit des Odenwaldkreises. SPD und CDU verfolgen das gemeinsame Ziel, allen Menschen im Odenwaldkreis bestmögliche Bildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten.
Die Ganztagsbetreuung werden wir quantitativ und qualitativ weiter ausbauen, um Familien zu entlasten und die Bildung unserer Kinder und Jugendlichen zu stärken. Gleichzeitig werden wir weiter in die Modernisierung und Ausstattung unserer Schulen investieren, um zeitgemäße Lernbedingungen zu schaffen.
Ein weiterer besonderer Schwerpunkt liegt auf der Stärkung der beruflichen Bildung. Wir wollen die Zusammenarbeit zwischen Schulen, Betrieben und weiteren Bildungsträgern intensivieren, um jungen Menschen praxisnahe Perspektiven in der Region zu eröffnen.
Den Standort des Beruflichen Schulzentrums (BSO) in Michelstadt mit seinen Fachklassen gilt es zu erhalten, zu sichern und stetig weiterzuentwickeln. Auf Landesebene wollen wir uns für eine verlässliche und auskömmliche Bildungsfinanzierung einsetzen.
5. Umwelt, Klima und Landwirtschaft
Der Schutz von Natur und Umwelt ist eine gemeinsame Verantwortung, die wir mit Augenmaß und im Einklang mit wirtschaftlicher Entwicklung wahrnehmen wollen. SPD und CDU stehen für einen pragmatischen Klimaschutz, der ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte miteinander verbindet.
Der Ausbau erneuerbarer Energien soll im Odenwaldkreis weiter vorangebracht werden, wobei wir besonderen Wert auf Akzeptanz, regionale Wertschöpfung und den Schutz von Landschaft und Natur legen. Bürgerbeteiligung spielt dabei eine wichtige Rolle.
Um einer überproportionalen Belastung unserer Landschaft durch den Ausbau der Windkraft Grenzen zu setzen, unterstützen wir auch weiterhin gemeinsam Klagen unserer Kommunen. Auf übergeordneter Ebene setzen wir uns für praktikable und regional angepasste Lösungen in der Energie- und Klimapolitik ein.
Land- und Forstwirtschaft sowie Jägerschaft sehen wir als unverzichtbare Partner einer nachhaltigen Entwicklung. Wir wollen ihre wirtschaftlichen Grundlagen sichern und gleichzeitig ihre Rolle im Natur- und Klimaschutz stärken.
Maßnahmen zum Arten- und Naturschutz werden wir gezielt ausbauen und dabei auf Kooperation statt auf Konfrontation setzen. Unser Ziel ist es, die natürlichen Lebensgrundlagen zu bewahren und gleichzeitig eine lebenswerte Kulturlandschaft zu erhalten.
Wir stehen gemeinsam zum Pakt für die Jagd und erkennen durch ihn die Leistungen der Jägerschaft für Natur- und Umweltschutz an.
6. Regionalentwicklung, ländlicher Raum und Zusammenhalt
Der Odenwaldkreis ist geprägt durch seine ländliche Struktur und das starke Engagement seiner Bürger. SPD und CDU setzen sich gemeinsam dafür ein, gleichwertige Lebensverhältnisse in allen Teilen des Kreises zu sichern.
Wir setzen uns dafür ein, dass Programme zur Dorfentwicklung und Innenentwicklung weiter ausgebaut werden, um Ortskerne zu stärken und Leerstände zu reduzieren. Gleichzeitig wollen wir die Infrastruktur im ländlichen Raum sichern und weiterentwickeln.
Das Ehrenamt ist eine tragende Säule unserer Gesellschaft. Deshalb werden wir Vereine, Initiativen sowie die Arbeit von Feuerwehr und Rettungsdiensten gezielt unterstützen und wertschätzen.
Kulturelle, sportliche und soziale Angebote leisten einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wir wollen Vereine und Initiativen weiterhin unterstützen und kulturelle Angebote im gesamten Kreisgebiet fördern.
Unser Ziel ist ein Odenwaldkreis, der Tradition und Innovation verbindet, in dem sich Menschen zuhause fühlen und aktiv an der Gestaltung ihrer Heimat mitwirken können.
7. Finanzen und Verwaltung
Eine solide Finanzpolitik ist die Voraussetzung für nachhaltige Gestaltungsmöglichkeiten. SPD und CDU bekennen sich zu einer verantwortungsvollen Haushaltspolitik, die sowohl aktuelle Herausforderungen bewältigt als auch kommende Generationen im Blick behält.
Wir werden klare Prioritäten bei Investitionen setzen und die vorhandenen Mittel effizient einsetzen. Gleichzeitig ist es unser Ziel, zusätzliche Fördermittel von Land, Bund und Europäischer Union konsequent zu nutzen, um wichtige Projekte im Odenwaldkreis zu realisieren.
Die Kreisverwaltung soll auch in Zukunft modern, bürgernah und leistungsfähig aufgestellt sein. Dazu gehört insbesondere die weitere Digitalisierung von Verwaltungsprozessen, um Abläufe zu beschleunigen und den Zugang zu Dienstleistungen zu erleichtern.
Der Landkreis und die Odenwälder Kommunen können die Herausforderungen nur gemeinsam bewältigen, deswegen sehen wir uns in einer gemeinsamen partnerschaftlichen Verantwortung, kommunale Handlungs- und Gestaltungsspielräume zu erhalten und die Kommunen nicht zu überfordern.
Unser Anspruch ist eine Verwaltung, die serviceorientiert arbeitet, transparent handelt und den Bedürfnissen der Bürger gerecht wird.
Schlusswort:
Die Fraktionen von SPD und CDU vereinbaren für die Wahlperiode 2026-2031 eine konstruktive partnerschaftliche Zusammenarbeit in allen Fragen der Kreispolitik. Gegenseitige Offenheit und Transparenz sind Grundlage und für uns dabei selbstverständlich. Gemeinsame Entscheidungen werden wir verantwortungsvoll treffen und gemeinsam vertreten.
Wir stehen für eine Politik der Vernunft, die Wirtschaftlichkeit, Soziales und Ökologie in Einklang bringt. Der Odenwaldkreis ist unsere Heimat und soll ein attraktiver Lebens-, Arbeits- und Naturraum für alle Generationen bleiben. Dafür werden wir uns gemeinsam mit aller Kraft einsetzen. <











