Landrat Frank Matiaske skizziert die wachsenden Aufgaben, die sich insbesondere in ländlichen Regionen wie dem Odenwaldkreis stark auswirken. Foto: Pressedienst Odenwaldkreis
Der Erbacher Verwaltungschef sieht den Odenwaldkreis „in einer Phase tiefgreifender Veränderungen, die Aufgaben komplexer, vernetzter und steuerungsintensiver machen“
Frank Matiaske
ODENWALDKREIS / ERBACH. – Zum Auftakt der neuen Legislaturperiode gibt Landrat Frank Matiaske einen „Bericht zur Lage im Odenwaldkreis“. Nachstehend der Wortlaut seiner Ausführungen:
> Der Odenwaldkreis steht zu Beginn der neuen Legislaturperiode in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Diese Veränderungen betreffen nicht nur einzelne Fachbereiche, sondern greifen gleichzeitig in Gesundheit, Soziales, Bildung, Mobilität, Wirtschaft und Verwaltung ein.
Gerade für einen ländlich geprägten Kreis wie den unseren bedeutet das: Die Aufgaben werden nicht weniger, sondern komplexer, vernetzter und steuerungsintensiver. Die politische Verantwortung besteht deshalb heute mehr denn je darin, Wandel nicht nur zu verwalten, sondern ihn aktiv, verlässlich und mit klarem Kurs zu gestalten.
Gleichzeitig stehen die Landkreise zusammen mit den Städten und Gemeinden vor der Herausforderung, all dies mit einer strukturell unzureichenden Finanzausstattung bewältigen zu müssen.
Das zeigt sich besonders deutlich im Gesundheitsbereich. Die Krankenhausreform des Bundes verändert mit Leistungsgruppen und Vorhaltevergütung die Rahmenbedingungen der stationären Versorgung grundlegend; spätestens 2027 ist ein entscheidendes Jahr für das GZO, das Gesundheitszentrum Odenwald, das als einziges Akutkrankenhaus für rund 100.000 Menschen im Kreis eine besondere Verantwortung trägt.
Die angekündigte Sozialstaatsreform wird die Strukturen der Grundsicherung grundlegend neu ordnen und mit einem stärkeren Fokus auf Arbeitsvermittlung und verbindliche Mitwirkung zugleich den Steuerungs- und Abstimmungsbedarf an den Schnittstellen zwischen Sozialhilfe, Arbeitsförderung, Jugend und Integration auf Ebene der Landkreise deutlich erhöhen.
Im Bildungsbereich stehen Entscheidungen hinsichtlich der Ganztagsschulen an, die den Kreis unmittelbar fordern. Ab dem Schuljahr 2026/27 gilt der Rechtsanspruch auf ganztägige Förderung zunächst für die erste Klassenstufe; danach wird er schrittweise ausgeweitet, jährlich um eine weitere Klassenstufe.
Im Mobilitätsbereich müssen wir im Odenwaldkreis die langfristigen Ziele der Erbacher Erklärung für die Odenwaldbahn mit Nachdruck voranbringen sowie die Ausschreibung des künftigen Verkehrsvertrages auf den Weg bringen, der die Frage der Elektrifizierung – sowohl der Fahrzeuge als auch der Lademöglichkeiten in der Fläche regeln muss.
Das alles sind keine isolierten Einzelthemen, sondern zentrale Zukunftsfragen für Teilhabe, Fachkräftesicherung, Klimaschutz und Lebensqualität im ländlichen Raum.
Parallel dazu erwarten unsere Unternehmen zu Recht, dass der Kreis gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein verlässlicher Partner bleibt. Die Stärkung der Wirtschaftsförderung, die Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen bei Digitalisierung, Innovation, Fachkräftesicherung und Finanzierung sowie die Sicherung der digitalen Wettbewerbsfähigkeit des ländlichen Raums sind längst zu Führungsaufgaben der Kreisspitze geworden.
Dasselbe gilt für die Digitalisierung der Verwaltung: Bund und Länder treiben völlig zurecht OZG-Umsetzung (Online-Zugangsgesetz), Registermodernisierung und flächendeckende digitale Verwaltungsleistungen weiter voran.
Gerade wenn zugleich hohe Erwartungen an Konsolidierung, Effizienz und Personalabbau formuliert werden, braucht eine Kreisverwaltung umso mehr Klarheit in Verantwortung, Prioritätensetzung und operativer Steuerung.
Wer die kommenden Jahre realistisch betrachtet, erkennt: Schon in den vergangenen beiden Wahlperioden haben außergewöhnliche Herausforderungen von außen – wie die Flüchtlingszuwanderung, die Corona-Pandemie oder die Folgen des Ukrainekriegs für Energieversorgung und -sicherheit – eine neue Dimension des Handelns erfordert.
Die Aufgaben, vor denen der Odenwaldkreis in den nächsten fünf Jahren steht, sind absehbar noch breiter, dynamischer und stärker miteinander verflochten: Es geht um die Zukunftsfähigkeit unseres Gesundheitswesens, um tragfähige soziale Strukturen, um Ganztagsbildung, um moderne Mobilität, um wirtschaftliche Stabilität und um eine leistungsfähige, digitale Verwaltung.
Diese Breite an strategischen Großaufgaben verlangt nicht nur politischen Willen, sondern auch eine Führungs- und Verwaltungsstruktur, die der gewachsenen Verantwortung gerecht wird. <










