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Das >Fell des Bären<, sprich die einzelnen Posten waren längst verteilt, als sich die Mitte März neugewählten Mandatsträger in der Erbacher Stadtverordnetenversammlung und des Magistrats am Donnerstagabend zu ihrer konstituierenden Sitzung trafen.
Von Aufbruchstimmung und gemeinsamen Handeln zum Wohle der Odenwälder Kreisstadt war da – durchaus nachvollziehbar – zu hören. Doch wie aus „gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen“ schon im Vorfeld zu hören war, ging es einmal mehr in der Vorbereitung zu dieser – zumindest personell – richtungsweisenden Sitzung ausschließlich um Posten und Pöstchen. Persönliche Animositäten standen folglich statt zu fixierender Sachthemen im Fokus der Protagonisten.
Mit SPD und CDU hatten die beiden stärksten Erbacher Parlamentsfraktionen bei der Wahl ihre Teams erfreulich verjüngt und damit einen Generationenwechsel eingeleitet. In der realen Darstellung, bei der Besetzung von entscheidenden Positionen nämlich, hielt einzig die CDU diesen erfreulich Kurs bei: mit der Nominierung und schließlich auch erfolgreichen Wahl des erst 29 Jahre alten Dominik Weyrauch zum Ersten Stadtrat.
Darauf wie auch auf die Besetzung der weiteren Magistratspositionen hatten sich zunächst alle Fraktionen von SPD, CDU, ÜWG und GRÜNEN in einer Listenverbindung >Gemeinsam für Erbach< verständigt. Diese Gemeinsamkeit kündigten zunächst die GRÜNEN bereits wenige Tage vor der konstituierenden Sitzung wegen Unstimmigkeiten bei der Besetzung der Ausschüsse auf und die ÜWG zog unmittelbar vor der Sitzung ihre Zusage zurück, sodass zur Magistratswahl schließlich drei Vorschlagslisten zur geheimen Abstimmung kamen.
Dass dabei schlussendlich das identische Ergebnis zu Buche stand wie beim ursprünglich gemeinsamen Vorschlag vorgesehen, lässt den Chronisten nur schmunzeln.
Sowohl der gemeinsame SPD-CDU-Vorschlag für drei SPD- und zwei CDU-Kandidaten erhielt alle 19 Stimmen der beiden Fraktionen, als auch der Vorschlagskandidat der GRÜNEN alle vier Stimmen der eigenen Fraktion auf sich vereinte. Und neben den sieben ÜWG-Vertretern schloss sich offenkundig auch einmal mehr der fraktionslose einzige AfD-Vertreter der ÜWG an und votierte für die beiden Vorschlagskandidaten der Überparteilichen Wählergemeinschaft.
So scheint folglich die parlamentarische Arbeit im Erbacher Stadtparlament wie auch im Magistrat – jenseits der erwähnten personellen Verjüngung durch den Ersten Stadtrat der CDU – auf ein wenig hoffnungsvolles >Weiter so< hinauszulaufen. Alter Wein in neuen Schläuchen eben – oder: Erneuerungschance überwiegend vertan.
Wünschenswert und eventuell Hoffnung erweckend für eine neue, zielführende und bessere kommunalpolitische Arbeit in Erbach könnte bestenfalls noch die ausstehende Besetzung der einzelnen Parlamentsausschüsse verbleiben, für die eine Sitzverteilung von jeweils zwei für SPD, CDU und ÜWG und eine Position für die GRÜNEN bereits fixiert wurde. Die personelle Besetzungen dieser Ausschüsse stehen indes noch aus.
Politik braucht heute auch und insbesondere im kommunalen Bereich mutige Reformer. Wenn sich Menschen von ihrer Partei als ehrenamtliche Mandatsträger aufstellen lassen und gewählt werden, dann sollten sie auch willens und in der Lage sein und insbesondere das Vertrauen ihrer Partei genießen, ihr Mandat an- und Verantwortung zu übernehmen.
Ein aktuelles Beispiel aus dem Sport führt deutlich vor Augen, wie das funktionieren kann: der FC Bayern München hat zu Saisonbeginn seinen Kader aus etablierten hochbezahlten Elitekickern ausgedünnt, um jungen Nachwuchskräften eine Chance zu geben.
Bereits vier Spieltage vor Saisonende rangiert der deutsche Rekordmeister als Meister der Saison 2025/26 uneinholbar an der Tabellenspitze der Bundesliga, steht im Pokalhalbfinale wie auch im Champions-League-Halbfinale und zählt mit jungen, hungrigen Kräften an der Seite von Weltstars europaweit zu den besten Fußball-Teams.
Aus kommunalpolitischer Erbacher Sicht fallen diesbezüglich lediglich die Christdemokraten mit ähnlichen Ansätzen seit der zurückliegenden Legislaturperiode angenehm auf. Da übernahm mit André Weyrauch bereits ein junger Mann den Fraktions- wie auch den Parteivorsitz, ehe aktuell mit seinem 29-jährigen Bruder Dominik die Position des Ersten Stadtrats besetzt wurde.
Diese Vorbildfunktion macht bei allen sonstigen derzeit destruktiven kommunalpolitischen Aussichten Mut. Mut, der auch alle anderen Parteien in Erbach – wie in der gesamten Region – beflügeln, und neben erfahrenen etablierten Kommunalpolitikern der nächsten Generation eine faire Chance zur politischen Gestaltung ihrer Heimat einräumen sollte.










